Mikroplastik im Sand

Was ist Mikroplastik und wie entsteht es?

Primäres Mikroplastik, sekundäres Mikroplastik & Makroplastik

Es gibt grundlegend zwei Arten von Mikroplastik – primäres Mikroplastik und sekundäres Mikroplastik. Und es gibt Makroplastik. Die genauen Unterschiede und was Du tun kannst, um möglichst viel davon zu vermeiden, kannst Du in diesem Artikel lesen. Ganz allgemein unterscheidet man die drei Übeltäter wie folgt:

  • Primäres Mikroplastik wird bereits in seiner endgültigen Form produziert und man findet es vor allem in Kleidung oder Kosmetik- und Pflegeprodukten (Peeling, Shampoo, Duschgel, Seife, …).
  • Sekundäres Mikroplastik hingegen entsteht durch den Zerfall von Makroplastik in immer kleiner werdende Teile. Zum Beispiel durch Witterungseinflüsse, durch Felsen, durch Salzwasser oder durch das Sonnenlicht.
  • Unter Makroplastik versteht man ganz grob gesagt alle anderen Plastikprodukte. Also beispielsweise die PET-Flasche, die Plastiktüte, die Chips-Verpackung, den Strohhalm oder das Plastikgeschirr.

Plastikteilchen im Ozean, im Fluss oder im See – was macht sie so gefährlich?

Teilchen von primären und sekundärem Mikroplastik finden sich überall. Sowohl Tiere als auch wir Menschen nehmen Plastik über die Nahrung auf. Man hat teilweise sehr große Anteile von Plastik gefunden – in den Körpern/Mägen von

  • Haien
  • Delfinen
  • Schildkröten
  • Walen
  • Fischen
  • Seevögeln
  • MENSCHEN

Aber Haie oder Vögel fressen doch kein Plastik?
Nein, das tun sie normalerweise nicht (außer vielleicht der Tigerhai, der frisst ja beinahe alles). Vielmehr nehmen sie das Plastik zusammen mit ihrer Nahrung auf, ob sie wollen oder nicht.
Der Walhai filtert das Wasser nach Plankton, der Seevogel verwechselt seine Nahrung mit Plastik, der weiße Hai frisst eine Robbe, die vorher einen großen Fisch gefressen hat – die gesamte Nahrungskette rauf und runter.

Hai frisst Robbe, großer Fisch frisst mittleren Fisch, mittlerer Fisch und Seevogel frisst kleinen Fisch, kleiner Fisch frisst noch kleineren Fisch, … Algen, Plankton. Und der Mensch frisst Haie, große Fische, mittlere Fische, Krebse, Garnelen, …!

Mikroplastik ist so klein, dass man es oft mit blossem Auge entweder kaum, gar nicht oder nur unter dem Mikroskop erkennen kann. Und es kommt dazu auch noch in den verschiedensten Formen vor. In partikulärer Form (Teilchenform), in flüssiger Form, in Pasten- oder Pulverform.

Primäres Mikroplastik

Was ist der Unterschied zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik und Makroplastik? Und woher kommt es?

Wie eingangs beschrieben wird primäres Mikroplastik bereits in seiner endgültigen Form produziert und beispielsweise Pflegeprodukten hinzugegeben. Man findet es in Peelings, in vielen Shampoos, Duschgels oder in Waschmittel. Aber auch die kleine Plastikkügelchen, die man in diesen kleinen Säckchen findet um Feuchtigkeit aufzunehmen (Silica) oder die Kügelchen, die als Rohstoff zur Weiterverarbeitung dienen, sind primäres Mikroplastik.

Auf diesem Bild, entstanden während eines unserer Beach Clean-Ups in Südafrika, kann man neben ein paar sekundären Plastikteilchen die kleinen farblosen bis gelblichen kleinen Kügelchen ganz gut erkennen. Man stelle sich vor, ein Containerschiff verliert einen Container mit Millionen dieser Kügelchen …

Primäres Mikroplastik

Auch in Kleidung findet sich primäres Mikroplastik – hier jedoch in Form von kleinen Fasern. Und alle Kleidungsstücke, die einen Lycra, Polyester- oder Polyacrylanteil haben, verlieren bei jedem Waschgang tausende Mikroplastikfasern. Diese fließen ungehindert und ungefiltert in den Abfluss. Hierzu auch nochmal eine kurze und erschreckende Info (mit Video) aus dem Stern (Quelle). Insbesondere Fleece-Kleidung enthält besonders viele Plastikfasern bzw. gibt diese beim Waschen ab.

Primäres Mikroplastik in Kosmetik

Hier kommt es in vier verschiedenen Formen vor – in partikulärer Form (Teilchenform), in flüssiger Form, in Pasten- oder Pulverform. Solche Partikel finden sich beispielsweise in vielen handelsüblichen Peelings. Egal ob von Nivea, Balea, Neutrogena oder Isana. Eigentlich hat jede handelsübliche Marke mindestens ein Peeling im Programm, welches Mikroplastik enthält.

Wir haben vor einiger Zeit einen Versuch dazu gemacht und diesen auch in einem Video festgehalten. Ihr findet das Video auf unserem YouTube-Kanal. Bei der Gelegenheit – hast Du schon unseren YouTube-Kanal abonniert? Wenn nicht, dann könntest Du das vielleicht kurz nachholen.

Mikroplastik in Kosmetik

Kosmetikhersteller benutzen Mikroplastik – und behaupten das Gegenteil

Bei Kosmetik- und Pflegeartikeln kommt erschwerend hinzu, dass viele der Mikroplastik-Arten auch in synthetischer Form verwendet werden, zum Teil sogar wasserlöslich. Die Kosmetikartikel-Hersteller behaupten dann häufig, sie würden gar kein Plastik in ihren Produkten benutzen bzw. schlampen aus Versehen bei der Kennzeichnung. Warum? Weil sie bspw. die synthetischen Kunststoffe nicht als Mikroplastik bezeichnen möchten. Sie berufen sich dann immer wieder darauf, dass ja nicht abschließend geklärt wäre wie sich diese Kunststoffe auf unsere Umwelt und auf den menschlichen Körper auswirken. Und dass Mikroplastik nur dann wirklich Mikroplastik wäre, wenn es in Teilchenform verwendet wird.

Fest steht: jedesmal, wenn Du Dich wäscht, duscht oder badest und Du kein mikroplastikfreies Pflegeprodukt nutzt, fliesst Plastik in den Abfluss – in welcher Form auch immer.

Hier kannst Du Dir die Ozeankind-Liste mit den ganzen Bezeichnungen von Mikroplastik in Kosmetik herunterladen – damit kannst Du ganz leicht prüfen, ob Dein gewohntes Shampoo, Peeling oder Duschgel Mikroplastik enthält – einfach mit den Inhaltsstoffen auf der Produktverpackung vergleichen

Und hier kommst Du zur Liste des BUND, in dem Du einen Großteil der in Deutschland erhältlichen Kosmetikprodukte findest, namentlich aufgelistet.

Sekundäres Mikroplastik

Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Plastikteile (also Makroplastik, zum Beispiel eine PET-Wasserflasche oder ein Plastikstrohhalm) im Laufe der Zeit in immer kleiner werdende Plastikteile zerfallen. Verursacht durch verschiedene Witterungseinflüsse wie Sonne, Steinen, Felsen oder großen Wellen.

Genauso wie primäres Mikroplastik findet sich auch sekundäres Mikroplastik fast überall wieder. In unseren Ozeanen, in Flüssen oder Seen, in vielen Fischen, Vögeln und im Körper vieler anderer Säugetiere (zum Beispiel in Walen) und auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Zu letzterem gab es in der Neuen Osnabrücker Zeitung einen interessanten Artikel – demnach befindet sich das Mikroplastik teilweise in Form von kleinen bunten Plastikpartikeln mittlerweile sogar im Klärschlamm. Klärschlamm wird übrigens in Form von Dünger auf unsere landwirtschaftlichen Äcker getragen … und somit endet es auch ohne, dass wir Meerestiere essen, in unserer Nahrung.

Was dieses Plastik im Menschen verursacht, ist zwar wohl noch nicht abschließend erforscht oder bewiesen – gut kann es aber ganz sicher nicht sein. Bei Tieren beeinflusst es beispielsweise den Hormonhaushalt …

Mikroplastik im Sand

Aus Makroplastik wird sekundäres Mikroplastik

Plastik verrottet nicht. Es wird zwar mit der Zeit immer kleiner, kann aber nicht oder erst nach mehreren Jahrhunderten vollständig abgebaut werden. Das Plastik wird zersetzt und zerfällt dabei in immer kleinere Teilchen. Hier sind ein paar Beispiele, sinngemäß entnommen aus einem Artikel der ZEIT: „… eine Einkaufstüte schwimmt 10 bis 20 Jahre lang im Meer, bis sie vollständig zerrieben ist, ein Styroporbecher braucht 50 Jahre, um zu zerbröseln, eine PET-Flasche zerfällt erst innerhalb von 450 Jahren. Nur WEG IST ER NIE.

Zerrieben, zerbröselt, zerfallen – das alles geschieht z.B. durch Felsen, durch die Sonne oder durch das Salzwasser. Aber, und das ist der springende Punkt: ES IST NIE WEG! Nur weil ein Styroporbecher nach vielen Jahrzehnten zerbröselt ist, bedeutet das keinesfalls, dass dieser WEG ist – er ist dann lediglich in mikroskopisch kleine Partikel zerfallen.

Unsichtbares Mikroplastik ist in den Augen vieler Menschen nicht existent

Ein riesiges Problem, vor allem in Bezug auf das fehlende Bewusstsein vieler Menschen wenn es um Mikroplastik geht, ist dass man es mit dem blossen Auge oftmals nicht sieht. Das bedeutet die Ozeane, Seen oder Flüsse sehen sauber aus, sind es aber nicht!

Schau Dir mal die beiden Bilder an – sieht sauber aus, ist es aber nicht. Wir haben drei Stunden gebraucht um mit 6 Leuten einen Strandabschnitt von 200m Länge zu säubern. Und auf dem Rückweg ist uns aufgefallen, dass wir noch unfassbar viel übersehen haben. Das da auf dem unteren Bild hatte ein Gewicht von etwa 1 Kilo und bestand zum allergrößten Teil aus sekundärem Mikroplastik! Alles schön in Linien angespült …

Ozeankind Mikroplastik Beach-CleanUp

Mikroplastik am StrandAngespültes MikroplastikMikroplastik Pearly Beach

Vielleicht hast Du schonmal was vom GREAT PACIFIC GARBAGE PATCH gehört? Dieser gigantische Wirbel befindet sich im Gebiet des Nordpazifikwirbels zwischen Nordamerika und Asien. Die Schätzungen zur Größe dieses Strudels schwanken zwischen der Größe von Texas und der Größe von Mitteleuropa, teilweise ist sogar von einem Gebiet doppelt so groß wie die USA die Rede (Quelle). Wie auch immer – riesig ist es allemal. Es ist jedoch wohl nicht so als würde da nun eine Plastikflasche neben der anderen schwimmen, vielmehr besteht dieser gigantische Müllteppich in erster Linie aus Mikroplastik.

Man schätzt, dass es hier pro km² eine Mio. Kunststoffteilchen im Ozean schwimmen, das wäre ein Teil pro Quadratmeter (Quelle). Und das Oberflächenwasser enthält sechsmal mehr Plastikteile als Plankton (Quelle).

Plastik ist Plastik – einmal im Meer, immer im Meer

Nur weil uns vorgegaukelt wird, das man alles Plastik ja recyceln kann, bedeutet das nicht unbedingt dass das auch der Wahrheit entspricht! Zu den verschiedenen Plastikmaterialien und deren nicht vorhandener Recyclingfähigkeit empfehlen wir dringend unseren Artikel „Kunststoffe„.

Es lässt sich nach aktuellen Stand der Technik (abgesehen von ein paar vielversprechenden Projekten und Ideen, beispielsweise das Projekt Ocean Cleanup nie wieder aus dem Meer entfernen, egal in welcher Form. Und selbst wenn wir das Oberflächenwasser irgendwann von Plastik befreien können. Wir müssen dann auch künftig dahin kommen, es gar nicht erst entstehen zu lassen! Und deshalb ist es völlig egal, ob die Hersteller einen Stoff als Mikroplastik bezeichnen wollen oder nicht oder ob man uns erzählt, das Plastikprodukte ja generell recycelt werden könnten – denn in den meisten Fällen stimmt das einfach so nicht.

Ozeankind - unser Fazit

Was kannst Du tun, um möglichst viel Mikroplastik zu vermeiden?

Es ist ganz einfach, schau doch mal kurz in Deinem Badezimmer nach. Dreh alle Verpackungen um und checke anhand des Ozeankind-Mikroplastik-Guide und der Inhaltsangabe der Herstellers, ob Deine Kosmetik Mikroplastik enthält. Wenn ja, wäre es cool wenn Du diesen Artikel entweder im Hausmüll entleerst und die Verpackung im Plastikmüll entsorgst. Oder wenn Du beim nächsten Drogerie-Besuch ein anderes Produkt wählen würdest.

Kaufe Kleidung wenn irgend möglich aus Naturfasern wie zum Beispiel Baumwolle. Wenn Du andere Kleidung aus Kunstfasern nutzen möchtest und diese dann wäscht, besorge Dir einen Guppyfriend. Den kannst Du hier bei Patagonia bestellen. Das ist ein Waschsack, der das Mikroplastik aus Kleidung auffängt, damit Du ihn danach im Plastikmüll entsorgen kannst.

Da aus Makroplastik Mikroplastik entsteht, nutze so wenig Plastikprodukte wie nur irgend möglich!

Und besonders wenn Du am Meer oder in der Nähe des Meeres bist, leave nothing but footprints!

Hast du schon unseren Ozeankind-Shop gesehen? Mit unserem Reiseset kannst Du auf Plastik unterwegs verzichten. Du hilfst damit der Umwelt & uns.

30. August 2017
Kunststoff. Welche Unterschiede und Recyclingmöglichkeiten gibt es?

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