gesammelte Säcke voll Müll

Recycling in Kapstadt

Eigeninitiative ist gefragt

Recycling ist nicht gerade das Top-Thema in Kapstadt, schon gar nicht in den Köpfen der Bewohner. Aber was für Möglichkeiten gibt es vor Ort? Warum ist Recycling in Südafrika so wichtig? Und was hat eine Frau names Anthea Fransman mit diesem Thema zu tun? All das möchten wir dir heute erzählen.

Micha und ich gingen in den letzten Tagen durch die Straßen unseres Viertels Tamboerskloof. An einer Gebäudemauer klebte ein kleines, grünes Logo mit der Aufschrift „Recycle 1st„.

Das schauen wir uns doch mal genauer an. Gesagt – getan. Wir haben der Firma hinter dem Schild eine Email geschrieben und durften wenige Tage später einen Blick hinter die Kulissen werfen. Die Kamera lief auch mit – das Video findest Du auf unserem YouTube-Kanal. Einfach auf das Symbol klicken – und bei der Gelegenheit gleich den Kanal abonnieren.

Wie der Einzelne einen Unterschied machen kann

Vor ungefähr 5 Jahren fuhr Anthea Fransman in ihrem Auto durch Kapstadt. Dabei fiel ihr der herumliegende Plastik-Müll in den Straßen auf und sie beschloss, von nun an selbst aktiv zu werden und sammelte soviel Plastik wie möglich ein. Die Arbeit als Bankangestellte war nicht mehr das, was sie glücklich machte. Sie wusste dass es Zeit war, ihrem Herzen zu folgen – sie wollte mehr für andere tun. Und so gründete Sie kurzerhand die Firma „Recycle 1st“ und entdeckte damit eine Marktlücke. Denn bisher gab es niemanden, der den Plastik-Müll der einzelnen Haushalte einsammelte. Mit ihrer Business-Idee wollte Anthea ihre Mitmenschen informieren und sie so zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit der Umwelt bringen. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 34 Mitarbeiter.

Müllbeseitigung in Südafrika

Eine Mülltrennung so wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es hier (noch) nicht flächendeckend. Bisher hat die Mehrheit der Haushalte seinen Müll lediglich in „organisch“ (also Bio) und Restmüll getrennt. In vielen Regionen gibt es auch keine Müllabfuhr, die den anfallenden Müll regelmäßig einsammelt. Also, was machen die Bewohner? Sie werfen alles auf einem Haufen und verbrennen oder verbuddeln den Müll unter der Erde. Dass das auf Dauer nicht die Lösung sein kann, liegt ja auf der Hand.

Das hat auch die Regierung vor einigen Jahren verstanden und neue Gesetze verabschiedet. Es soll von nun an jeder seinen Müll neben Restmüll auch nach Glas, Papier, Bio, und Plastik trennen. Leider wird das aber noch nicht von jedem befolgt. Neben dem Faktor Geld spielt Bildung eine sehr große Rolle in Südafrika. Denn es besteht noch eine viel zu große Lücke zwischen den „Gebildeten & Aufgeklärten“ und den „Ungebildeten“. Das Bewusstsein für die aktuelle Müll-Situation und dessen Folgen ist schlichtweg nicht vorhanden.

In einer südafrikanischen Müllbeseitigungs-Studie aus 2011 zeigte sich, dass von etwa 108 Millionen Tonnen erzeugtem Müll nur 10 % recycelt wurden. 97 Millionen Tonnen Müll landeten auf Deponien.

Warum ist Recycling so wichtig?

Der wohl wichtigste Punkt ist, dass unsere Erde nicht unendliche Kapazitäten an Ressourcen hat. Wir leben schon jetzt am Maximum und beuten unseren Planeten immer weiter aus. Bereits am 02.08.17 haben wir alle natürlichen Ressourcen für das ganze Jahr 2017 aufgebraucht. Merkste was? Das Jahr hat irgendwie noch viel zu viel Monat übrig 🙁

Laut einer UN-Prognose dürfte sich der Ressourcen-Verbrauch bis zum Jahr 2030 noch einmal mehr als verdoppeln (siehe WELTArtikel).

  • reduziert die Notwendigkeit der Mülldeponien & der Verbrennung
  • verringert die Emissionen von Treibhausgasen, die zum globalen Klimawandel beitragen
  • hilft, die Umwelt für künftige Generationen zu schützen
  • schont natürliche Ressourcen wie Holz, Wasser und Mineralien
  • reduziert die Verschmutzung durch die Herstellung von Produkten aus reinen Materialien
  • es schützt die Meere & den Lebensraum der dort lebenden Tiere
Was kann recycelt werden?

PLASTIK / KUNSTSTOFF

  • Zeitung
  • Zeitschriften & Flyer
  • Karton & Nahrungsmittelverpackungen
  • Toilettenrollen und Zigarettenschachteln
  • Telefonbücher & Schulbücher
  • Büropapier, Briefumschläge & Werbung

PLASTIK / KUNSTSTOFF

  • PET zB Kaltgetränke-Flaschen, Saftflaschen, Plastikgläser
  • PE-HD zB Kanister, Flaschenkästen, Tragetaschen, Lebensmittelverpackungen
  • PE-LD zB dünne Plastikfolie: Reisbeutel
  • Polypropylen (PP) z.B. Eiscreme, Joghurt, Margarine Behälter
  • Polystyrol (PS) z.B. nur geschäumtes Polystyrol ist recyclingfähig
    Das findet man in Styropor, aber auch in Dämmstoffen und in Joghurtbechern.

GLASS & METALL

  • Gläser
  • Bierflaschen
  • Weinflaschen
  • Bierdosen
  • Leere Lebensmitteldosen
  • Flaschendeckel
Und wie hilft nun „recycle 1st“?

Die Firma von Anthea schaffte in erster Linie neue Arbeitsplätze für 34 Menschen und wächst weiter. Gleichzeitig hilft sie deren Familie & Freunden ein besseres Verständnis für Müll und für das gesamte Thema Recycling zu erlangen. Es fahren wöchentlich 4 Pickups durch Kapstadt und dessen Vororte und sammeln den Müll ein. Das Ergebnis sind rund 4.000 Tüten pro Woche, in der Größe wie Du sie auch von zu Hause kennst.

Sobald der Müll in der Fabrik ankommt, sortieren die Mitarbeiter händisch den Müll nach den oben aufgeführten Stoffen. Die getrennten Stoffe verkaufen sie weiter an die Unternehmen, die dann meist das Material einschmelzen und es so in den Kreislauf zurückgeben.

Dieser Service kostet die Haushalte je nach „Paket“ unterschiedlich viel. Es gibt die Einmal-Abholung für umgerechnet 9,30 €. Die monatliche Abholung kostet umgerechnet 21,54 € . Für Firmen und Mietwohnungskomplexe gibt es individuelle Möglichkeiten.

Bei „recycle 1st“ geht es nicht nur um Profit, sondern grundsätzlich auch um den Umweltschutz – denn sie sorgen dafür, dass alle gesammelten Recyclingwerte mit Hilfe der Endverbraucher tatsächlich recycelt werden.

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