Müllmanagement in Asien

Müllmanagement in Asien – Status Quo

Wie steht es eigentlich um das Müllmanagement in Asien?

Sehr viele Bilder von vermüllten Flüssen, Stränden und Menschen die in Müll leben, erreichen uns regelmäßig im Netz oder über die TV-Geräte. Studien zeigen, dass 5 asiatische Länder für 60% des Plastikmülls im Ozean verantwortlich sind. Wir begeben uns mal auf Ursachenforschung und gehen dem Müllmanagement in Asien mal den Grund. Gibt es sowas überhaupt? Müllmanagement in Asien?

Mehr Wohlstand = mehr Müll?

Seit den siebziger Jahren gelangen die asiatischen Ländern, allen voran Indien & China, zu mehr und mehr Wohlstand. Die Wirtschaft wächst, die Menschen verdienen mehr Geld und möchten durch Konsum auch ihren Status zeigen. In Plastik verpackte Lebensmittel wirken dabei hygienisch und sauber. Es ist modern und zeugt von Wohlstand, wenn man sich verarbeitete und in Plastik verschweißte Lebensmittel leisten kann. Auch mehr Produkte aus dem Westen gelangen nach Asien oder werden dort selbst produziert. Ein ganzer Wirtschaftssektor, die Kunsstoff-Industrie ist entstanden. Dazu ein sehr gewinnbringender.

Es gibt einen Verband mit 10 südostasiatischer Nationen (ASEAN, Association of Southeast Asian Nations), zu dem Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand, Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha gehören.

Kunststoff und Kunststoffprodukte gehören umsatzmäßig zu den Top-Exporten der ASEAN-Staaten. Zum Beispiel lag im Jahr 2013 der Exportumsatz bei 39,3 Mrd. US-Dollar. Die Produktionsraten des Sektors sind in den letzten Jahren im Durchschnitt kontinuierlich gestiegen, insbesondere in diesen Ländern: Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Hier wird laut der Unternehmensberatung McKinsey & Company mehr als 95 Prozent des regionalen BIP erzielt. (Quelle)

Nur zur Erinnerung: Indonesien, die Philippinen, Thailand und Vietnam sind 4 von den 5 Ländern, die jedes Jahr für Millionen von Tonnen Plastikmüll im Ozean verantwortlich sind. Gibt es da einen Zusammenhang?

Der Weg des Mülls in unsere Weltmeere

Müllmanagement Asien

® Meeresatlas.org

Achtlos weggeworfener Müll in der Natur oder am Strand „vergessene“Produkte sind nur ein kleiner Anteil des globalen Müllproblems. Alle Flüsse sind die Müllabfuhr für unseren achtlosen Konsum. Denn jeder weiß, jeder Fluss (egal wie unscheinbar) mündet in den Ozean.

Gerade in Asien gelten die Flüsse als „Geburtstsort“ des Plastikmüllproblems unserer Ozeane. Viele Wissenschaftler aus aller Welt untersuchen das seit mehreren Jahren. Sie schätzen dass jedes Jahr zwischen 1,15 und 2,41 Millionen Tonnen Plastikmüll über die Flüsse in de Meere gelangt. 74 % in einem kurzen Zeitraum, von Mai bis Oktober, die Regenzeit in vielen Gebieten. So eine Summe ist einfach nur krass! Die komplette Studie (englisch) gibt es hier.

In einer Studie aus 2017 haben sie die Top 20 der dreckigsten Flüsse lokalisiert & dokumentiert. Es wird jetzt keinen überraschen – ein Großteil dieser Flüsse fließt durch Asien (67%):

  1.  Yangtze – China
  2. Ganges –  Indien, Bangladesh
  3.  Xi – China
  4.  Huangpu – China
  5. Cross – Nigeria, Kameroon
  6. Brantas – Indonesien
  7. Amazonas – Brasilien, Peru, Kolumbien, Ecuador
  8. Pasig – Philippinen
  9. Irrawaddy – Myanmar
  10. Solo – Indonesien
  11. Mekong – Thailand, Kambodscha, Laos, China, Myanmar, Vietnam
  12. Imo –  Nigeria
  13. Dong – China
  14. Serayu –  Indonesien
  15. Magdalena – Kolumbien
  16.  Tamsui – Taiwan
  17. Zhujiang – China
  18. Hanjiang  – China
  19. Progo – Indonesien
  20. Kwa Ibo – Nigeria

Überall auf der Welt wohnen Millionen Menschen in der Nähe von Flüssen. Für diese Menschen sind die Flüsse zugleich Trinkwasserversorgung, Lieferant von Wasser zum Waschen und zur Bewässerung ihrer Felder sowie Fischfanggebiet.

Wasser ist überlebenswichtig – für jeden von uns.

® fancycrave / pexels

Durch die Industrialisierung, die wachsende Bevölkerung, erhöhtes Müllaufkommen und fehlendes Müllmanagement verschmutzen viele Menschen ihren eigenen Lebensraum. Bewusst oder unbewusst?

Müllmanagement in Asien

Die Experten sind sich einig. Man muss bei den Flüssen beginnen, um das Problem an der Wurzel zu packen. Ein Abfallmanagement einführen und das Bewusstsein der Menschen erhöhen. Wenn es uns in der Zukunft gelingt den Plastikstrom in den Flüssen zu halbieren ist eine Menge erreicht. Leichter gesagt als getan – und nur mit entsprechenden Investitionen in den Griff zu bekommen.

Es gibt nahezu überall im asiatischen Raum keine Müllabfuhr oder gar Recyclingfabriken. Da gibt es nur die Möglichkeit der ungesicherten Mülldeponie (was ein Berg Müll in der Natur ist). Oft wird der Müll illegal entsorgt, verbrannt, am Strand vergraben, im offenen Meer entsorgt oder man wirft den Müll in den Straßengraben oder den nächsten Fluss. Der Starkregen übernimmt den Rest. Noch schwieriger ist es auf Inseln, hier gibt es so gar kein Sammelsystem. Der Großteil landet im Meer.

Ein Beispiel: Die Weltbank gibt an, dass in Indonesien alleine die städtische Bevölkerung 97.000 Tonnen feste Siedlungsabfälle (Kunststoffe, Mischpapier, Karton und Metalle) pro Tag produziert (Stand 2014). Nur 39.000 Tonnen (also 40 Prozent) davon werden pro Tag eingesammelt und zu den Abfalldeponien gebracht. Vom Hausmüll landen nahezu 50 Prozent in den Gewässern.

Doch bevor wir jetzt in unseren Köpfen mit dem Finger auf andere Nationen zeigen. Stell Dir mal folgende Situation vor: In Deutschland gäbe es keine Mülltonnen, keine Müllabfuhr und keine Fabriken. Wie sähe dein Garten aus? Oder das Feld gegenüber Eurer Wohnsiedlung?

Wir lehnen uns jetzt mal aus dem Fester und sagen ähnlich wie in Asien: Wenn man nicht selbst seinen (Plastik) Müll reduziert und sich über dessen Auswirkungen bewusst ist.

– Ironie an –

Noch ein anderer wichtiger Punkt: Wir Europäer haben in den letzten Jahrzehnten einen Großteil unseres Plastikmülls nach China exportiert und damit Geld verdient. Allein Deutschland verschiffte zuletzt rund 560.000 Tonnen Altplastik nach China und damit rund ein Drittel des gesamten EU-Plastikexports. Seit Beginn 2018 macht China nicht mehr mit. Die Landbevölkerung verarbeitet unseren Plastikmüll per Hand, ohne Schutz und der entstandene Giftmüll landet im nächsten Fluss. Ganz zu Schweigen von den Gesundheitsrisiken der Menschen. Was für ein Kreislauf!

In der Branche wird Vietnam als weiteres Abnahmeland des europäischen Plastikmülls gehandelt. Wir wohlhabenden „Westler“ geben unseren Müll an ärmere Länder weiter, die viel schlechtere Bedingungen haben den Müll  zu entsorgen, geschweige denn vorschriftsmäßig zu recyceln. Wir haben keinen Einfluss und schon gar keine Kontrolle was in dem Land mit unserem Müll passiert. Dabei könnte die Einweg-Plastikflasche aus Deutschland kommen, die nach China verkauft wurde um einfach auf deine Mülldeponie in der Nähe eines Flusses zu landen. Und dann beschweren wir uns im Urlaub in Südostasien über den herumliegenden Müll und die „dreckigen“ Menschen ohne Umweltbewusstsein?

– Ironie aus –

 In vielen Ländern Asiens bewegt sich etwas.

Ganz klar ist das Thema Müllmanagement ein politisches. Es müssten mehr Gelder für diesen Sektor bereit gestellt werden. Gesetze erlassen und Strafen ausgesprochen werden. Ausländische Investoren könnten (nach unseren laienhaftenm Verständnis) eine Menge Geld in den kommenden 50 Jahren verdienen, wenn man in diesen Ländern eine Abfallwirtschaft aufbaut. Klar zuerst muss investiert werden, das dürfe doch kein Hinderungsgrund sein, oder?!

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