Fischerboote jagen Delfine

Delfine hautnah – mit Delfinen schwimmen auf Sansibar … NEIN DANKE.

Ich ruf nur Flipper, Flipper, gleich wird er kommen, jeder kennt ihn – den klugen Delfin.

Es gibt wohl keinen Menschen auf dieser Welt, der Delfine doof findet. Delfine sind fast schon kitschig schön – wer kennt sie nicht, die Bilder von springenden Delfinen vor dem Sonnenuntergang oder das kristallklare Wasser mit zwei Delfinen am Horizont, powered by Photoshop. Mit Delfinen schwimmen auf Sansibar.

Wir Menschen lieben Delfine. Wir möchten sie beobachten, sie in die Luft springen sehen, sie sollen auf den Wellen reiten, am besten direkt neben dem Boot. Wir möchten mit Ihnen tauchen und viele von uns träumen sogar davon, einmal im Leben einen Delfin beim Schnorcheln zu treffen und ihn dann am besten auch noch streicheln zu können. Und das alles bitte an einem Ort, an dem alles perfekt ist – Sonne, Strand und der Ozean in all seinen Blau- und Grüntönen direkt vor der Haustür auf Zeit.

Kizimkazi im Süden Sansibars ist ein solcher Ort. Wenn nicht gerade Ebbe herrscht, schimmert das Wasser in vielen Farben, die Sonne knallt und der Strand ist innerhalb weniger Sekunden direkt vom Bungalow aus erreichbar. Und am Rande des Korallenriffs, geschätzte 300 Meter von den Bungalows entfernt, kann man sie meist morgens antreffen. Delfine.

Früher hat man die Delfine hier gejagt, um sie zu essen, für das Öl. Um das Fleisch zu verkaufen. Oder um sie als Köder zu benutzen – für den Haifang. Heute isst man sie wohl nicht mehr, aber gejagt werden sie trotzdem.

Von unzähligen Booten mit Touristen, lauten Motoren und schreienden Kapitänen.

springende delfine

by matteo-catanese

Die Boote und Menschen machen einen unfassbaren Lärm

Es heisst, Delfine seien von Natur aus neugierig, sie wären verspielt. Und die Gegenwart von lustigen Touristen mit Taucherbrillen, die vom Boot ins Wasser springen und krampfhaft versuchen, Ihnen hinterher zu schwimmen, würde ihnen angeblich auch nichts ausmachen.

Ob in Hurghada, Sharm el Sheikk oder auf den Malediven – hast Du beim Schnorcheln schonmal den Kopf aus dem Wasser gehoben, weil Du dachtest dass gleich ein Jetski oder ein Boot über Dich hinwegrast? Und wie weit waren Boot oder Jetski am Ende entfernt? Lass uns raten – zweihundert Meter?

Und kannst Du Dir dann im Ansatz vorstellen, wie laut bis zu zehn Honda- oder Yamaha-Bootsmotoren UND ungefähr 30 gleichzeitig ins Wasser plumpsende Touristen für einen Delfin sein müssen? Diese Tiere sind in der Lage, auf einen Kilometer Entfernung Gegenstände bis auf einen Zentimeter genau zu orten, sie haben das vielleicht am höchsten entwickelte Navigations- und Ortungssystem in der Natur. Delfine können sogar im Sand eingegrabene Fische auf den Zentimeter genau orten!

Wenn wir das als Laien mal ins Verhältnis setzen, dann müssten die Motoren und Menschen für einen Delfin ungefähr so laut sein wie es ein startender Airbus für uns wäre.

Delfintour Sansibar

Mit Delfinen schwimmen auf Sansibar – WIR waren dabei. Leider.

Nicht weil wir Delfine sehen wollten. Sondern weil wir Menschen sehen wollten, die Delfine sehen wollten.

Hinterher schwimmen. Das ist es, was 99% der Touristen, die eine Delfintour auf Sansibar buchen, machen. Pausenlos. Und was machen unsere Freunde die Delfine? Weg schwimmen.

Warum sie das tun? Nun, eine Delfintour in Kizimkazi geht so: Man nehme kleine Motorboote, fülle sie mit Menschen auf die man tags zuvor irgendwo am Strand aufgegabelt hat oder die die Resorts vermittelt haben und treffe sich früh morgens am Strand.

Zwischendurch wird mal mit dem Kollegen telefoniert und nachgefragt, ob schon Delfine gesichtet wurden. Nach etwa 15 Minuten Fahrt vorbei an vermüllten Hotelruinen und versprengten Speerfischern mitten im Indischen Ozean kann sie losgehen – die Treibjagd ohne Schießgewehr.

Früher waren die Delfine viel näher am Strand. Früher waren auch viel mehr Delfine da. Sagt zumindest unser einheimischer Guide aus dem Fischerdorf Kizimkazi Dimbani. Es gäbe sogar mittlerweile Regeln von der Regierung, an die sich sowohl Fischer als auch Touristen halten müssen. Problematisch ist nur, dass es scheinbar niemanden gibt der das Durchsetzen dieser Regeln auch kontrolliert. Und deshalb macht hier jeder was er will.

Delfine voraus! Da! Ne dort! Jetzt sind sie dahinten!

Wir waren natürlich nicht allein, ungefähr 8 bis 10 andere Boote waren bereits vor Ort und hatten einen engen Kreis um eine Gruppe Schnorchler gebildet, rote Schnorchel, schwarze Schnorchel, blaue Schnorchel – und dazwischen: ein paar Delfine.

Immer mal wieder kamen die Meeressäuger kurz zum Luft holen an die Wasseroberfläche, um dann direkt wieder abzutauchen und so die Touristen zu zwingen, ihre Hintern schnell wieder ins Boot zu manövrieren – HINTERHER!

Die Boote nahmen wieder Fahrt auf und nach wenigen Sekunden begann das gleiche Spiel von vorne: Touristen ins Wasser, Delfine schwimmen weg, Touristen zurück ins Boot.

Define unter Wasser

Abbruch, Abbruch, Abbruch!

Marina war zweimal kurz im Wasser, ich dreimal. Wir wollten beobachten, wie sich die Delfine verhalten würden. Zeigen Sie Interesse? Schlafen sie sogar gerade?

Wir konnten es uns nicht mit anschauen. Die Delfine hatten unserer Meinung nach Angst. Panik. Und sie wirkten gestresst. Und dieser Stress hört vor allem nicht auf – denn die Boote fahren immer wieder zurück und holen neue Touristen.

Nach knapp zehn Minuten haben wir unseren Hobby-Kapitän darum gebeten, doch bitte zurückzufahren bzw. noch zu einem Top-Schnorchelspot mit vielen bunten Fischen, ohne Delfine. Wo die bunten Fische waren, wissen wir nicht. Vielleicht da wo die Delfine auch bald sind: ganz weit weg. Oder einfach nur weg.

Delfine beobachten? Gerne, nur nicht zu diesem Preis!

Delfine sind toll.

Delfine sind neugierig.

Sie sind verspielt.

Delfine finden Menschen vielleicht sogar witzig.

Nur den Zeitpunkt, wann sie toll, neugierig und verspielt sind und vor allem wann sie Menschen vielleicht sogar witzig finden, den sollten die Delfine selbst bestimmen.

Und auch wenn es so aussieht: Delfine lächeln nicht. Sie können nicht anders.

 

26. Oktober 2017
Unsere Unterkunft auf Sansibar
31. Oktober 2017
Filmtipps für Ozeankinder

Hinterlasse einen Kommentar

Your E-Mail Addresse will not be published. Required fields are marked *