Plastikmüll in Südafrika

Kunststoff. Welche Unterschiede und Recyclingmöglichkeiten gibt es?

Kunststoff, Plastik und die Sache mit dem Recycling

Dieser Beitrag ist definitiv einer der wichtigsten Artikel dieses Blogs. Das wird er auch immer bleiben. Zumindest solange, bis alle Menschen denen der Erhalt dieses Planeten am Herzen liegt, verstanden haben worum es geht. Kunststoff wird doch recycelt! Das widerlegen wir hiermit.

Wir alle müssen uns von dem zugegeben beruhigenden Gedanken verabschieden, dass alle Plastikprodukte einfach mal eben so recycelt werden können.

Und die Aussage, dass alles Plastik generell recycelt wird, nur weil wir vielleicht den Müll trennen und weil wir auf den verschiedenen Verpackungen ein Recycling-Symbol finden können, stimmt so einfach nicht und ist teilweise sogar kompletter Bullshit!

Denn: sobald ein Kunststoff nicht mehr „rein“ ist, also aus verschiedenen Kunststoffarten besteht, wird er NICHT recycelt, daraus werden keinen Plastikprodukte. Das gilt übrigens auch für die Verpackungen von Lebensmitteln. Denn diese Kunststoffgemische werden verbrannt – ja, auch in Deutschland! 

Am Ende wird mehr als die Hälfte des hergestellten Kunststoffes verbrannt und nicht recycelt.

Warum das alles so ist, erfährst Du in diesem Artikel. Und damit der Zusammenhang klar wird, müssen wir leider fast bei Adam und Eva anfangen …

Die Geschichte des Kunststoffs

Seit wann gibt es Plastik auf unserem Planeten? Wer hat es erfunden? Es war ein Mann. Nein nicht nur einer sondern mehrere. Warum eigentlich keine Frau?!  Schon im Jahr 1530 (zu der Zeit war auch Martin Luther ganz groß) hatte ein Augsburger mit Käse experimentiert und herausgefunden das durch erhitzen und erkalten ein harter Stoff entsteht das Kunsthorn (Milchstein). Damit konnte man zum Beispiel Knöpfe herstellen.

Der nächste Mann, John Wesley Hyatt, ein Superstar seiner Zeit um 1870. John war Gründer einer Firma die Billardkugeln herstellte, seiner Zeit wurden diese noch aus Elfenbein erstellt. Das war auf Dauer zu teuer und wäre ohnehin heute nicht mehr vertretbar und so experimentierte er. Ihm ist es zu verdanken das wir den Stoff Zelluloid kennen. Ohne John würden wir auch keine Kinofilme mehr sehen können. Es war der Beginn einer Revolution.

Ich springe nun in der Zeit nach vorn, in das Jahr 1936. Wenn du die Zwischenschritte der Evolution des Kunststoffs wissen möchtest dann bitte hier lang. 

1936 kommen die ersten Haushaltswaren und Spielzeuge aus Plastik auf den Markt. Jedoch erst in der 5o iger Jahren ging es so richtig los, eine Million Tonnen Kunststoff wurden hergestellt. 1976 waren es über 20 Millionen Tonnen, 1989 schon 100 Millionen Tonnen, und 2002 wurde die Marke von 200 Millionen Tonnen übersprungen.

Arten von Kunststoff

Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere

1. Thermoplaste

Die meisten Kunststoffe in unserem Alltag sind Thermoplaste. Thermoplaste sind bei hoher Hitze formbare Kunststoffe. Vielleicht hast du schon mal eine Plastikschüssel auf eine heiße Herdplatte gestellt? Sieht dann etwas verformt aus, ne? Es gibt aber auch harte und weiche Thermoplaste. Wer mag, kann einmal Google oder irgendeine andere Suchmaschine dazu befragen ;).

Wichtige Thermoplaste sind:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropen (PP)
  • Polystyrol (PS)
  • Polyvinylchlorid (PVC)
  • Polyacrylnitril (PAN)
  • Polyamide (PA)
  • Polyester (PES)

Vor allem die Abkürzung PE hast Du sicherlich schon öfter auf Produkten gesehen. Plastiktüten, Gefrierbeutel, Eimer, Wäschekörbe, Getränkekisten, Mülltonnen usw. bestehen in der Regel aus Polyethylen, aber auch Rohre und Kabelisolierungen werden häufig aus diesem Material hergestellt.

2. Duroplaste

Sobald dieser Kunststoff erhärtet ist, kann man ihn nicht mehr verformen – denn wenn man Druck ausübt, bricht er eher.

Wichtige Duroplaste sind:

  • Polyester (PES)
  • Formaldehydharze
  • Epoxidharze
  • Polyurethane

Vor allem Polyester kommt super oft vor. Neben Textilfasern oder Folien beispielsweise in den allseits bekannten Plastik-Getränkeflaschen (PET), in CD´s, in Lebensmittelverpackungen usw..

3. Elastomere

Diese Art von Kunststoff ist, wie der Name vermuten lässt, elastisch. Die Kunststoffe können sich bei Zug- und Druckbelastung elastisch verformen, finden aber danach in ihre ursprüngliche, unverformte Gestalt zurück.

Hauptverwendung sind Reifen. Du findest es aber auch in Gummi, Dichtungsringen oder Putzschwämmen.

Wenn Du jetzt Sehnsucht nach chemischen Formeln bekommen hast, habe ich ein tolles Video dazu für Dich. Es zeigt wie genau Kunststoffe hergestellt werden und ist eine gute Zusammenfassung 🙂

Recycling von Alltagsgegenständen

Nach dieser Auflistung ist es vielleicht ersichtlich, das Plastik nicht gleich Plastik ist. Viele unserer alltäglich, gekauften Gegenstände sind meist aus unterschiedlichen Kunststoffarten zusammengesetzt. Das macht das Recycling noch komplizierter. Was wird eigentlich wiederverwertet, also wiederaufbereitet und was nicht? Hierzu mal ein paar Beispiele.

Tetrapack Verpackungen – z.B. Getränkekartons von Milch, Saft oder Wein

Wenn man eine Packung in der Hand hält, fällt einem sofort das Recycling Symbol auf und dem Verbraucher wird vorgaukelt: „Ich werde komplett recycelt“. Die Antwort darauf ist Ja und Nein. Ein Tetrapak besteht in der Regel sowohl aus Pappe und aus Plastik. Das Plastik ist nicht nur eine Schicht, sondern mehrere Schichten Polyethylen. Je nach Verwendung ist dann auch noch eine Schicht Aluminium dazwischen, neben dem Karton.

Somit gehört der Tetrapak weder in die Papier-Tonne noch in den Restmüll. Am besten ist es im gelben Sack aufgehoben. Generell lässt sich sagen, dass Verbundverpackungen inzwischen meist problemlos recycelt werden können. Aus dem Papieranteil können beispielsweise Hygienepapiere und Taschentücher hergestellt werden.

PET Getränkeflaschen

Plastikflasche

Das große Übel neben den Einweg-Plastiktüten. Auch wenn Du jetzt vielleicht Fragezeichen in den Augen hast und denkst, „Wo ist das Problem, es gibt doch überall diese Pfandautomaten“.

Das heutige Pfandsystem wurde einmal mit dem Gedanken eingeführt, einen größeren Anteil an Mehrwegflaschen zu verkaufen. Doch leider ging das Ganze nach hinten los. Gerade wir Deutschen kaufen liebend gern Einwegflaschen aus den verschiedensten Gründen. Pro Stunde werden in Deutschland zwei Millionen Einweg-Kunststoffflaschen verbraucht. Das sind 48 Millionen am Tag und rund 17 Milliarden im Jahr. 

PET-Einwegflaschen werden gesammelt und teils recycelt, teils verbrannt. Die Flaschen werden zerkleinert, gereinigt und zu Granulat verarbeitet, welches wiederverwertet wird. Gebrauchtes PET wird zu Polyester Textil-Fasern verarbeitet und vor allem nach China exportiert. Wie Du siehst lässt sich viel Geld mit PET-Einwegflaschen verdienen.

Das ZDF zeigt in einer kurzen Doku den Wahnsinn mit dem Pfandsystem.

Bei uns in Deutschland sind die Rücklaufquoten super, in Europa liegen sie dagegen nur bei ca. 48%. Heißt nur die Hälfte der verkaufen Plastikflaschen wird überhaupt wieder eingesammelt! Wenn sie nicht eingesammelt werden, landen sie somit nicht in einem Recycling-System, sondern erst im Restmüll und dann auf der Mülldeponie (für die es nur begrenzten Platz gibt). In Entwicklungsländern landet der meiste Müll sogar direkt in Flüssen und damit oft letztendlich auch im Meer. Das ist der Hauptgrund, gerade in Urlaubsländern darauf zu verzichten!

Fazit: Kaufe Mehrwegflaschen, am besten aus Glas & aus Deiner Region. Wenn Glas nicht möglich ist, dann kaufe bitte wenigstens Mehrweg-PET, diese Flaschen können rund 20 Mal wiederbefüllt werden – die aus Glas sogar bis zu 50 Mal.

Ob Leitungswasser nicht doch DIE Lösung ist, findest du in diesem Beitrag von uns.

Plastikstrohhalme

Plastikstrohhalm

Nahezu in jedem Restaurant oder Bar wird Dir oft ungefragt ein Getränk mit einem Trinkhalm aus Plastik serviert. Daher sage am besten bei der Bestellung, dass du keinen Strohhalm möchtest. Du wirst zwar komisch von der Seite angeguckt, bei den folgenden Zahlen kann man das aber ganz locker wegstecken.

Hol dir wiederverwendbare Strohhalme bei uns im Shop!

In Deutschland werden jährlich bis zu 40 Milliarden Strohhalme aus Plastik verbraucht. Das entspricht ungefähr 25.00 Tonnen. Für uns eine der bescheuertsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte!
Micha hat sich hier schon mal dazu geäußert, er findet Plastikstrohhalme unfassbar toll.

Ein Plastikstrohhalm besteht aus dünnwandigen Kunststoffen wie Polyethylen oder Polypropylen und sollte daher immer in den gelben Sack wandern. Auf keinen Fall in unsere Seen, Flüsse oder in den Ozean.

Kosmetikverpackungen – z. B. Duschgel & Shampoo

Kunststoff Verpackung

Wie geht es Dir, wenn Du dich in Deinem Bad einmal umschaust? Wieviele verschiedene Shampoos, Duschgels, Conditioner, Cremes, Gels usw. stehen bei Dir so rum?

Die Mehrheit dieser Tuben und Verpackungen sind aus aus einem Kunststoffgemisch hergestellt, genauer gesagt bestehen sie aus Polyethylen, Polystyrol und/oder Polypropylen.

Das ist genau das Problem. Wie oben bereits erwähnt: sobald ein Kunststoff nicht mehr „rein“ ist, also aus verschiedenen Kunststoffarten besteht, wird er NICHT recycelt, sondern verbrannt. Und daraus werden keinen neuen Tuben für Shampoo, Chips und Co. Das gilt übrigens auch für viele Verpackungen von Lebensmitteln.

Gut, durch die Verbrennung wird wieder Energie gewonnen. Ist dennoch irgendwie verrückt. Für die Herstellung von Kunststoffen brauchen wir Erdöl, am Ende werden mehr als die Hälfte der hergestellten Produkte wieder verbrannt und gelangen somit in unsere Atomsphäre.

Was passiert eigentlich wenn wir all unsere Erdöl-Ressourcen aufgebraucht haben?!

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