Wir müssen aufhören, Ausreden zu suchen

Ozeanschutz – Gedanken eines Ozeankinds

Ozeanschutz geht uns alle an

Jeden Tag stelle ich mir diese eine Frage: Wie kann ich noch mehr Menschen erreichen, sie sensibilisieren, sie dazu ermutigen endlich einmal aufzuwachen und Verhaltensweisen zu ändern?

Welches Chromosom, welche Fähigkeit, welcher Teil des Gehirns funktioniert nicht bei Menschen, die einfach so tun als wäre nichts?

Als wäre nichts passiert, als gäbe es keinen Klimawandel, als wäre der Fisch den wir im Supermarkt kaufen nachhaltig gefangen, als wären Haie Monster die getötet werden müssten, als wäre es egal wenn man jetzt noch einmal dieses Nivea-Shampoo mit Mikroplastik nutzt, als wäre es egal wenn man sich bei jedem Einkauf für jeden Scheiss eine dieser Einmalplastiktüten kauft.

Manche Menschen tun so, als würde es Billionen von Orang-Utans, Tunfischen, Heringen, Lachsen oder Delfinen geben. Sie tun so, als gäbe es diese ganzen Probleme nicht, als würden sie alleine auf dieser Welt leben. Getreu dem Motto: Nach mir die Sintflut.

Und was geht in unseren Politikern, Lobbyisten, Entscheidungsträgern vor? Können solche Menschen die aktuelle Situation einfach ausblenden? Sind die Lobbyisten wirklich so geldgeil und scheißen auf alles, was sie mit ihren Produkten anrichten? Wieso geht der Produktmanager von DM nicht einfach hin und verbannt jegliches Mikroplastik aus den Balea-Produkten? Wieso entscheidet sich nicht einfach der Filialleiter von Edeka, von heute auf morgen die Plastiktüten rauszuschmeißen? Wieso platziert REWE neben Bio-Produkten, die ohnehin schon in Plastik eingeschweisst sind, zusätzlich noch diese dünnen Plastiktüten?

Was verstehen diese Menschen nicht? Es geht nicht darum, überhaupt kein Plastik zu nutzen, es muss nicht alles vegan sein, nicht alles Bio, man muss nicht sofort aufhören Fisch oder Fleisch zu essen. Es geht darum, dass wir uns darüber bewusst werden was wir tun und was die Auswirkungen sein werden.

Ozeanschutz – wie kann man denn einfach so tun als wäre nichts?

Viele Menschen denken scheinbar einfach nicht nach. Und selbst wenn sie nachdenken, dann denken sie nicht weit genug. Viele Menschen verstecken sich auch hinter Ausreden. Das ist mir zu teuer, das kann ich mir nicht leisten, das ist so kompliziert, ich mag aber nunmal so gerne Tunfisch, ich weiss nicht was ich essen soll, … diese Ausreden könnte ich seitenlang hintereinander auflisten.

Meine beiden Lieblingssätze sind:

„Was kann ich alleine schon bewirken?“ und

„Das habe ich immer so gemacht.“

Stell Dir mal vor, jeder Mensch würde mit der Aussage durchs Leben gehen, dass er alleine nichts bewirken kann und dass die Menschen sich nicht ändern können, bloß weil sie es „immer so gemacht“ haben. Denn wenn das so wäre, wären wir alle schon lange nicht mehr da. Hört sich doof und gewagt an, ist aber so. Schaut Euch mal diese Geschichte an – hat nichts mit dem Ozean zu tun, aber ist dennoch eine der geilsten Stories, die ich kenne:

Der Mann, der die Wüste aufhielt

Da kommt ein Mann, pflanzt einen Wald und entwickelt kurz mal ein Bewässerungssystem für sein Dorf mitten in der Sahel-Zone. Und die Wissenschaftler bedanken sich für etwas, an dem sie bisher immer gescheitert waren.

Das habe ich immer so gemacht? Im Ernst? Ist das die Rechtfertigung, einfach weiterhin den Anteil zur Zerstörung des Planeten beizutragen?

Wir müssen begreifen, dass es nunmal Fakten gibt

Und das unser Handeln eine Auswirkung hat.

Das Meer ist blau, das Wasser kristallklar. Und guck mal da die Fische. Die Welt ist in Ordnung.

BULLSHIT!

Wenn ich im Urlaub ein Stück Plastik im Indischen Ozean „vergesse“, bleibt das da. Für immer.
Wenn ich meine Zigarettenkippe in den Bach schnipse, ist das ein Problem.
Wenn ich Shampoo mit Mikroplastik nutze, wird dieses Mikroplastik in unseren Flüssen, Seen und im Meer landen. Punkt.
Wenn ich Tiefkühlfisch kaufe, ist dafür ein Fisch gestorben und dieser Fisch ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nachhaltig gefangen worden. Punkt.

Natürlich haben wir in Deutschland ein bisschen weniger „Schuld“, wenn in Thailand eine Plastikflasche im Meer schwimmt. Natürlich haben wir hier in Deutschland ein Recycling-System (und hätte man das gleiche System überall auf der Welt, wären die Probleme definitiv kleiner, aber halt immer vorhanden). Natürlich muss niemand auf sämtlichen Luxus verzichten, auf sämtliche Annehmlichkeiten. Natürlich kann ein einzelner Mensch das Plastikproblem oder das Problem der Überfischung nicht verhindern. Wir müssen nun auch nicht alle Kleidung, die wir so haben und die vielleicht Plastik enthält, wegschmeißen. Und nein, wir können das Problem auch nicht von heute auf morgen lösen.

Natürlich könnten große Kosmetik-Konzerne Mikroplastik aus Ihren Produkten verbannen. Selbstverständlich könnte Aldi einfach hingehen und Plastiktüten abschaffen. Klar könnte die Regierung Plastikstrohhalme verbieten. Die zuständigen Ministerien oder Behörden könnten auch Null-Quoten für den industriellen Fischfang in der Nordsee ausrufen.

MACHEN SIE ABER NICHT.

Und nur weil die das nicht machen, bedeutet das nicht gleichzeitig, dass auch Du nichts machen kannst.

Aber darum geht es auch nicht beim Ozeanschutz

Es geht darum nachzudenken. Es geht darum Dinge und Gewohnheiten zu überdenken. Darum, beim nächsten Einkauf halt einfach mal den Korb mitzunehmen, vielleicht eine Dose Fisch weniger zu kaufen, dem Discounter den Plastikscheiss um die Ohren zu schmeißen, dem Barkeeper freundlich darauf hinzuweisen dass er seinen Scheiss-Plastikstrohhalm behalten soll, beim nächsten Coffee-to-go einfach mal einen Mehrwegbecher zu kaufen, es geht darum im Urlaub die Zigarettenkippen nicht ins Meer zu schmeißen und beim Schnorcheln vielleicht einfach mal ein bisschen Plastikmüll herauszufischen. Beim nächsten Shopping einfach mal Baumwollkleidung zu kaufen.

Was ist so schwer daran, weniger Fisch zu essen? Was ist so schwer daran, Plastiktüten zu vermeiden? Wieso kann man sich keinen Mehrwegbecher kaufen? Wo liegt das Problem, statt Produkt A einfach mal Produkt B zu kaufen? Wieso kann ich nicht wenigstens morgen einmal kein Billigfleisch kaufen? Weshalb muss ich jeden Morgen Nutella essen? Weshalb muss Papier immer weiß sein? Warum kaufen immer noch so viele Menschen Plastikkleidung?

Ich sage es Dir: NICHTS ist daran schwer. Alles was Dich daran hindert sind Ausreden. Rechtfertigungen. Wir belügen uns selbst, einfach nur um unser Gewissen zu beruhigen. Wir suchen nach Ausnahmen, die wir dann vor uns selbst rechtfertigen.

Wir selbst haben Kleidung mit Polyester-Anteil, wir selbst nutzen Bio-Kosmetik die in Kunststoff-Verpackungen verkauft wird, wir selbst kaufen auch in absoluten Ausnahmefällen eine Mehrweg-Plastikflasche wenn es gar nicht anders geht. Und manche Dinge kauft oder nutzt man vielleicht auch unbewusst.

Sicher gibt es in unserer Welt die eine oder andere Ausnahme, die eine oder andere Situation in der wir nicht nachhaltig handeln, die man rechtfertigen kann. Nicht nur vor uns selbst, sondern auch vor unserem Planeten.

Es gibt aber keine Rechtfertigung, unseren Planeten bewusst zu zerstören. Und die hat es auch nicht gegeben. Und die wird es auch nie geben.

Jeder Mensch darf und soll sogar Fehler machen – denn daraus lernen wir. Schlimm ist ein Fehler nur dann, wenn man ihn wiederholt.

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