Bioplastik-Lüge

Die Bioplastik-Lüge

Was ist eigentlich Bioplastik?

Auf den tollen bunten Plastiktüten oder Müllbeuteln, egal bei welchem Laden oder von welchem Hersteller, lese ich neuerdings immer wieder dass die Tüten vollständig kompostierbar seien oder das die Tüten aus angeblich vollständig recyclebarem Kunststoff seien – es gibt noch andere dieser Slogans, die uns Verbrauchern das Gewissen erleichtern und uns glauben machen sollen, dass es bestimmt in Ordnung ist wenn wir nun diese „Bio-Plastiktüte“ kaufen.

Bei Aldi-Süd steht/stand auf den Tüten „Zeig der Umwelt ein Lächeln“. Bullshit! Du zeigst der Natur durch die Nutzung einer Plastiktüte wohl den Mittelfinger, aber bestimmt kein Lächeln.

Allein das Wort „Bio-Plastik“ oder „Bio-Kunststoff“ ist meiner Meinung nach hier bereits ein schlechter Scherz. Das Wort „Plastik“ beschreibt das Wort „Kunststoff“, und ein „Kunststoff“ ist per Definition logischerweise ein künstlich (und demnach nicht natürlich) hergestelltes Material. Und damit ein Kunststoff das Wort „Bio“ führen darf, muss es entweder aus biologisch abbaubaren Materialien hergestellt worden sein ODER der Kunststoff muss nach der Nutzung biologisch abbaubar sein. Nicht aber zwingend beides. Und das Problem ist, dass viele Menschen das Wort „bio“ automatisch mit „gut für die Umwelt“ verbinden.

Was möchte man uns mit diesen Aussagen mitteilen? Will man uns damit sagen, dass wir bedenkenlos die Bio-Plastiktüten nutzen können? Was ist das Werbeziel? Was ist die Idee dahinter?

Brechende Wellen vor Küste

Biologisch abbaubar – hilft das dem Ozean?

Es mag sein, dass die Stoffe biologisch abbaubar sind – es stellt sich aber die Frage, inwiefern das nun unbedingt unseren Ozeanen hilft. Oder den Schildkröten? Hat man getestet wie lange es dauert, bis sich die Bio-Tüten im Ozean aufgelöst haben oder in welche Stoffe sie zerfallen? Und ob das für die Ozeane nun besser ist? Hat man glaube ich nicht – ich konnte keine Studien dazu finden. Es heißt lediglich, dass 90% der Rohstoffe nach maximal 120 Tagen aufgelöst sein müssen – getestet wurde dies in industriellen Anlagen, nicht aber fragen sich die Hersteller, was denn wohl mit dem Plastik passiert, wenn sie einfach irgendwo herumliegt oder schwimmt – und zwar egal ob im Rhein, im See um die Ecke oder im Indischen Ozean oder im Nebenfluss des Amazonas.

Und es ist im Grunde auch egal – denn ob nun eine Bio-Plastiktüte oder eine Standard-Plastiktüte im Meer schwimmt – in jedem Fall verschmutzt sie die Meere und stellt eine Gefahr für die Meeresbewohner dar. Ob sie nun nach einer Woche, zehn Monaten oder hundert Jahren abgebaut wird – sie verschmutzt die Meere entweder als ganze Tüte oder in Form von kleinen Plastikteilen (mehr dazu hier: Mikroplastik). Ende Aus.

Einer der größten deutschen Hersteller von Plastiktüten wirbt damit, die „grünen“ Tüten würden zu mindestens 85% aus dem nachwachsenden Rohstoff Zuckerrohr hergestellt. Toll – weil wir ja unbedingt die auf der Welt begrenzten Nutzflächen für den Anbau von Nahrungsmitteln dafür nutzen müssen, einen Rohstoff für Plastiktüten anzubauen? Sollte man im Zuge der Bevölkerungsexplosion und der Armut auf dieser Welt nicht lieber Dinge anbauen, die die Welt ernähren?

Mülltonnen Mulltrennung

Eine Plastiktüte ist eine Plastiktüte und bleibt das auch

Folgendes Beispiel: Du gehst zu Aldi und packst Deinen Einkauf in eine „Bio-Plastiktüte“. Dann gehst Du noch zur Apotheke um die Ecke und lässt Deine Medikamente in eine „normale“ Plastiktüte packen. Zuhause packst Du alles aus – übrig bleiben zwei Tüten. Beide schmeisst Du in die gelbe Tonne (so „bio“ ist die „Bio-Plastiktüte“ ja dann doch nicht, dass sie in die Biotonne geworfen werden dürfte) und „weg“.

Apropos „weg“ – wir alle müssen lernen, dass es kein „weg“ gibt. Wir schmeißen es weg – es ist aber nicht weg, sondern nur woanders. Hört sich klischeehaft an, ist aber halt einfach leider die Wahrheit. Ein „weg“ gibt es weder bei „Bio-Plastik“ noch bei konventionellem Plastik. Schon hundert Mal gelesen oder gehört – aber Plastik verrottet nicht – und zerfällt halt nicht unter allen Umständen in seine Einzelteile. 

Jetzt holt die Müllabfuhr (wir haben eine, andere Länder haben übrigens so etwas nicht) Deinen Gelben Sack ab – und bringt ihn zu einer Kompostierungsanlage. Dort wird der Müll sortiert – und ich frage Dich: denkst Du, diese Anlagen nun beide Tüten unterscheiden könnten?

Ich sag es Dir – sie können es nicht. Und damit landen beide Tüten im gleichen Kreislauf, ein Teil wird wiederverwendet, der andere Teil landet, überraschend, in unseren Flüssen und im Ozean. Vor allem – 120 Tage „darf“ der biologische Zerfallprozess dauern – liegen die Tüten denn solange in der Kompostierungsanlage? Vermutlich nicht.

Die Frage nach der Alternative

Wie immer stellt sich die Frage, welche Alternativen zur Verfügung stehen.

Ozeankind - unser Fazit

Das ist hier ganz einfach – nimm den Jutebeutel, den Rucksack oder einen Korb mit und gut ist. Ende der Tipps.

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