CO2 Bilanz von Umweltschützern

Ist ein Umweltschützer gleichzeitig auch Klimasünder?

CO2-Bilanz auf Reisen – ist Umweltschützern das Klima eigentlich egal?

Unser Thema heute: die CO2 Bilanz von Umweltschützern. Immer wieder lesen wir in den Medien, dass man als Umweltschützer ja eigentlich gar nicht durch die Welt fliegen dürfe: der CO2 Fußabdruck auf Reisen sei deutlich zu hoch. Man könne sich ja nicht heute für die Umwelt einsetzen wollen, um dann morgen ins nächste Flugzeug zu steigen. Denn die CO2 Bilanz eines Jumbo-Jets ist zugegeben eine mittelschwere Katastrophe.

Zu diesem Thema gibt es unendlich viele kontroverse Meinungen – aus unserer Sicht machen es sich viele davon aber deutlich zu einfach. Denn man muss schon das Gesamtbild sehen und vor allem ein paar Dinge wissen, bevor man sich ein Urteil bildet.

Was ist der CO2 Fußabdruck?

Der CO2 Fußabdruck oder die CO2-Bilanz (englisch: Carbon Footprint) ist ein Wert, der aussagt welche Menge an Kohlendioxid in einem bestimmten Zeitraum verursacht wird. Alles hat einen solchen Abdruck: ein Mensch, ein Land, ein Tier, ein Produkt oder auch eine Organisation. Dabei zählt alles: Heizung, Aktivitäten, Konsum, Mobilität, die Nutzung elektronischer Geräte oder die Ernährung. Gerechnet wird in „Gewicht“.

In der Gesamtberechnung eines Abdruckes sollte ein gesamter Produktzyklus oder der gesamte Alltag eines Menschen mit allen Aktivitäten einberechnet werden. Bei Dir wäre das zum Beispiel der klingelnde Radiowecker, der Fernseher auf Stand-By, die Fahrt mit der Bahn zur Arbeit, das Mittagessen und wirklich alles, was Du am Tag nutzt, isst oder machst. Beim Apfel aus Neuseeland wäre das alles, was zwischen Aussaat und dem Verkauf im Supermarkt passiert.

Zur Orientierung hier mal ein paar Beispiele:

  • Zähneputzen mit der elektrischen Zahnbürste: ca. 50 Gramm
  • 3 Minuten heiß duschen mit einem Standard-Duschkopf: ca. 2.9 Kilo
  • 1 Hamburger: ca. 2.8 Kilo
  • Fahrt mit einem Standard-Kleinwagen zur Arbeit (8km, Normalbenzin): ca. 1.8 Kilo
  • Flug nach Mallorca, Linie, Standard-Boeing, Economy: 249 Kilo
  • 12.000 km Autofahren, Mittelklasse-Auto: 2.000 Kilo

Wieviel CO2 „darf“ ich denn?

Jeder Mensch hat pro Jahr etwa 2.300 Kilo. Das ist die Menge, die gem. der weltweiten Staatengemeinschaft als noch „klimaverträglich“ bezeichnet wird. Wenn wir uns die Beispiele da oben anschauen, dürfte man also 12.000 km Autofahren und ungefähr 100 Mal duschen. Macht 2.300 Kilo. Ende.

Nun, das ist ein Problem. Denn man möchte ja auch atmen, vielleicht mal in den Urlaub fahren oder sogar fliegen, etwas Essen, Trinken, sich die Zähne putzen, Fernsehen gucken, die Heizung anschalten, was kochen und und und. Wir vermuten mal, dass somit mindestens 95% der Menschen in Deutschland mehr Kohlendioxid in die Luft pusten als sie eigentlich dürften. Da stellt sich die Frage – wie lässt sich der Klimaschutz mit dem modernen Leben im 21. Jahrhundert vereinbaren? Und jetzt wird es interessant. Denn wo können wir sparen?

CO2 Bilanz von Umweltschützern - Vegetarisch vegan

Die größten Klimasünder der Welt vs. CO2 Bilanz von Umweltschützern

Wer oder was verursacht denn die größten Mengen CO2? Das ist die Frage, die wir uns stellen müssen! Die Massentierhaltung von Schweinen, Rindern, Hühnern oder auch von Lachsen in  Aquakulturen verursacht mehr als die Hälfte aller schädlichen Treibhausgase der ganzen Welt. Dazu kommt noch der industrielle Fischfang – obendrauf! Das alles zusammen verursacht einen höheren CO2 Ausstoß als der gesamte weltweite Verkehrssektor – inklusive aller Autos, Schiffe, Busse, LKW, Züge und Flugzeuge dieser Welt. Zusammen.

Auch hier muss man wieder das Gesamtbild betrachten – das Kilogramm Fleisch muss ja auch erstmal „hergestellt“ werden. Das bedeutet man muss Dinge wie die Zucht oder den Transport berücksichtigen. Insgesamt, so der Spiegel, verursacht ein Kilo Fleisch 36 Kilogramm CO2.

Und irgendwie wird immer nur darüber diskutiert, dass Fabriken die CO2-Emissionen herunterfahren sollen, dass wir Geld spenden sollen für Klimaschutzprojekte wenn wir in den Urlaub fliegen, dass wir uns einen wassersparenden Duschkopf kaufen sollen oder unseren Fernseher nicht auf Stand-By lassen sollen. Das ist alles richtig, jeder kann hier ein paar Gramm oder Kilo einsparen – aber müssen wir nicht doch woanders ansetzen? Jeder Deutsche, der weder Vegetarier oder sogar Veganer ist, verzehrt laut Wikipedia pro Jahr im Durchschnitt (inkl. Tierfutter, Haltung, Verwertung & Co.) ca 88 Kilogramm Fleisch. Fisch kommt noch oben drauf.

Wir erinnern uns an die 36 Kilogramm CO2, denn multipliziert mit 88 Kilogramm durchschnittlichem Fleischkonsum pro Kopf ergibt das bereits eine unfassbare Zahl von 6.400 Kilogramm CO2. Nur weil man mal einen Burger, ein Steak, Geschnetzeltes oder Chicken McNuggets ist und gerne Wurst auf dem Brot hat. Dafür könnten Vegetarier und erst Recht Veganer etwa 25 mal nach Mallorca fliegen. Oder 3mal Economy von Frankfurt nach New York. Laut einer Untersuchung des Daily Telegraph fliegen Umweltschützer im Schnitt 9mal im Jahr. Dieser Artikel als solcher ist übrigens sehr einseitig geschrieben – bei Facebook findet man die Meinung eines gewissen Paul Watson zu diesem Artikel.

CO2 Bilanz von Umweltschützern
Ein Umweltschützer sollte mindestens Vegetarier sein – CO2 Bilanz von Umweltschützern

Kommen wir zurück zur Anfangsfrage. Dürfen Umweltschützer ohne schlechtes Gewissen durch die Weltgeschichte fliegen? Wir haben uns für ein JA ABER entschieden.

Denn nur, wenn sie sich mindestens vegetarisch ernähren, besser noch vegan. Aus den oben genannten Gründen. Jemand, der sich Umweltschützer nennt und nicht bereit ist, auf Fleisch und Fisch zu verzichten, sollte sich unserer Meinung nach ernsthaft fragen, ob er denn ehrlich zu sich selbst ist und ob das, was er so veröffentlicht oder sagt, am Ende tatsächlich Sinn macht. Und – ob er das Thema verstanden hat.

No one should call themselves an environmentalist if they eat meat and fish. (Paul Watson)

An dieser Stelle möchten wir nochmal auf unseren Artikel hinweisen, in dem wir mal betrachten was die Ernährung eigentlich mit dem Umweltschutz zu tun hat.

Umweltschützer haben zusätzlich meistens die besondere Eigenart, sich gegen die Zerstörung der Umwelt und damit normalerweise auch automatisch gegen die des Klimas einzusetzen. Sei es weil sie Schildkröten retten, Plastik sammeln oder illegale Walfangboote daran hindern, „für die Wissenschaft“ Wale zu töten oder Haie Ihrer Flossen zu entledigen. Ohne Umweltschützer wäre noch viel weniger Menschen das gesamte Ausmaß unserer weltweiten Umweltproblematik überhaupt bewusst.

Und eines ist ganz klar: würden wir Menschen nicht soviel Fleisch und Fisch essen, hätten wir das Klimaproblem überhaupt nicht. Und ein Leonardo di Caprio könnte schönere Dinge mit seiner freien Zeit anfangen als durch die Weltgeschichte zu fliegen, um sich für den Klimaschutz einzusetzen.

Der „Durschnittsdeutsche“ hat im Jahr 2016 insgesamt 9.1 Tonnen CO2 produziert (Quelle: Statista) – und wirkliche Umweltschützer sind in den allermeisten Fällen keine „Durchschnittsdeutschen“, haben kein Auto, vielleicht haben sie als Berufsreisender auch keine eigene Wohnung und sollten wie eben erwähnt auch keine tierischen Produkte konsumieren. Und solche Menschen könnten ganz schön oft von Bangkok nach Kuala Lumpur fliegen und danach in Bali landen. Und zurück. Unabhängig davon dass man die eine oder andere Strecke ja auch mal mit der Fähre, dem Bus oder zu Fuß zurücklegt.

Unser Fazit: Die CO2-Bilanz von Umweltschützern mag auf den ersten Blick nicht besonders gut sein. Auf den zweiten Blick übersteigen die positiven Auswirkungen jedoch die negativen Einflüsse. An dieser Stelle möchten wir auch nochmal die Frage in den Raum stellen, wie viele CO2 denn die Herstellung von Plastik so in die Luft pustet.

Dieses 90-Sekunden Video fasst das Thema nochmals ganz gut zusammen:

 

3. Dezember 2017
Was haben Ernährung und Umweltschutz gemeinsam?
24. Januar 2018
Unser erster Auftritt auf einer Bühne – Travel Festival Leipzig

Kommentare

  • Niklas
    ANTWORTEN

    Lieber Micha,
    danke für deinen Artikel. Ich sehe das etwas anders als du und ich möchte dir das auch gern erklären:
    Sehr grob zusammengefasst sagst du folgendes: „Die ganzen Tiere die gehalten werden müssen um unsere gewohnte Ernährung zu ermöglichen (inkl. Produkionsketten, etc.), viel zu viel Emissionen.“ Ich verstehe deine Argumentation. Allerdings denke ich dass diese zu einfach greift. Denn im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Umweltschützer, das was andere zu viel verbrauchen, einsparen sollten. Wir, also die Umweltschützer, sind dann der Ablasshandel für die restlichen Menschen. Und das finde ich falsch. Es geht gar nicht darum komplett zu verzichten, sondern es geht darum den Konsum einzuschränken. Wenn es heißt, dass du nur ein Umweltschützer sein kannst, wenn du auf Fleisch und bestenfalls komplett auf tierische Produkte verzichtest, werden wenig Menschen in Zukunft sich für den Umweltschutz begeistern können. Es gibt das Faktor10-Institut, welches sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, die herausgefunden haben, dass wir unseren Konsum um den Faktor 10 in allen Lebensbereichen (allen voran Elektronik und Ernährung) senken müssen um Nachhaltig leben zu können. Es geht also gar nicht darum komplett auf Fleisch zu verzichten, sondern einfach weniger zu essen und beispielsweise zum Sonntagsbraten zurückzukehren und nur einmal pro Woche oder alle zwei Wochen Fleisch zu essen.

    Ich persönlich sehe die Aufgabe von Umweltschützern eher etwas vorzuleben, ohne Leuten Vorwürfe zu machen oder Verbote zu erteilen, sondern aufzuklären. Wenn wir den Leuten mit dem Fleisch-Verbot kommen, werden sich viele Leute nicht mehr mit dem Umweltschutz beschäftigen oder uns belächeln und es wird noch schwieriger tatsächlich etwas zu ändern. Denn alleine schaffen wir das nicht, wir können nur die Vorreiter sein und versuchen den Leuten zu zeigen dass man auch umweltschonden und nachhaltig ein gutes Leben führen kann.

    Lieben Gruß an euch zwei,
    Niklas

    5. Januar 2018

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