Plastikmüll aus Deutschland

China und der Plastikmüll aus Deutschland

Deutschland und das China-Recycling – Plastikmüll aus Deutschland

Es ist teilweise schon an Ignoranz kaum noch zu überbieten – das Verhalten von Deutschland und Europa, wenn es um Plastikmüll geht. Immer sind die Menschen in Asien schuld dass unsere Welt im Plastikmüll versinken. Wir finden es deshalb gut, dass China nun endlich mal ein deutliches Zeichen gesetzt hat. Dass gerade die Menschen in Deutschland so viel Plastikmüll produzieren wie sonst niemand in Europa, wissen die meisten von uns ja schon. Da sind wir Europameister. Moment, Plastikmüll aus Deutschland nicht mehr nach China? Was ist passiert?

Falls Ihr es noch nicht mitbekommen haben solltet. Das Reich der Mitte hat zum 01. Januar 2018 den Import von Müll, vor allem von Plastikmüll aus Deutschland und Europa, gestoppt. Der eine oder die andere wird sich vielleicht fragen, was das nun bedeutet und wieso das eine Nachricht wert ist. Tatsächlich ist es so, dass unser Recycling-System in Wirklichkeit nicht so gut ist wie es scheint. Darüber hatten wir im März 2017  bereits einen Artikel geschrieben (hier gehts zum Artikel). Und nicht nur wir, auch andere Umweltorganisationen oder Blogs haben mehrfach darüber berichtet.

Bis vor wenigen Tagen haben lustige Dampfschifffahrtskapitäne (ja, mit 3 „f“) regelmäßig Ihre Frachter über die Weltmeere bewegt und Teile des von uns Deutschen getrennten Plastikmülls nach China befördert. Doch damit ist nun Schluss. Erstmal gilt das „nur“ für unsortiertes Plastik, Elektroschrott oder Stoffe (also nicht nur für Plastik). In wenigen Wochen (vermutlich Ende März) kommt dann wohl auch noch das Verbot für vorsortierte Kunststoffe.

Was bedeutet Recycling nochmal?

Viele Menschen sind ja der Meinung, dass Recycling von Kunststoff bedeutet, dass immer neues Plastik daraus gemacht wird. Das ist leider falsch. Denn wenn es beispielsweise um die deutsche Recyclingquote geht, dann fallen darunter mehrere Dinge. Natürlich werden sortenreine Kunststoffe eingeschmolzen und wiederverwertet – teilweise in neue Flaschen oder Lebensmittelverpackungen verwandelt, teilweise aber auch in Parkbänke oder Blumenkästen (also in minderwertige Kunststoffe – das nennt man „Downcycling“). Kunststoff gilt in Deutschland aber auch als „recycelt“, wenn er „thermisch verbrannt“ wird – also verbrannt und in neue Energie umgewandelt wird. Ob etwas als recycelt gilt oder nicht hängt nicht davon ab, was am Ende damit passiert, sondern ob er in eine Recyclinganlage hineingeht.

Und – und damit kommen wir wieder zurück nach China – auch wenn unser Müll ins Ausland verschifft wird, gilt er für die deutsche Statistik oft als „recycelt“. Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) und hier abgeschrieben (gesehen bei DW), waren das etwa 9,5 % unseres Plastikmülls, schlappe 560.000 Tonnen. Pro Jahr. Fünfhundertsechzigtausend Tonnen. Denn auch in China gibt es zertifizierte Recycling-Anlagen. Die machen damit allerdings auch oft nichts anderes als den Müll thermisch zu verwerten. Was bedeutete das nochmal? Ach ja, Verbrennung.

Ach ja. Dass moderne Recycling-Anlagen so Dinge wie Kohlenmonoxid, Schwefeloxide und Stickoxide in die Luft blasen, ist bekannt, oder? Anderes Thema.

Plastikmüll aus Deutschland – wohin damit?

Vorab – wir glauben wir können ein paar Menschen beruhigen (die diesen Artikel aber vermutlich leider nicht lesen werden) indem wir Ihnen sagen: Deutschland wird vorerst nicht im Plastikmüll ersticken. Schade eigentlich.

Denn wir sind sicher – den Politikern, Recycling-Unternehmen und Lobbyisten wird etwas einfallen. Es gibt ja noch genug andere asiatische Länder. Vielleicht wachen jetzt aber auch mal ein paar Menschen auf, die bisher schlafwandelten und immer mit dem Finger auf Andere gezeigt haben. Eventuell wachen die Politiker mal auf, die das Plastikproblem, dem die Welt gegenüber steht, bisher gepflegt ignoriert haben. Möglicherweise denkt derjenige, für den eine Plastiktüte in der Gelben Tonne gleichbedeutend als „recycelt“ und „weg“ galt, nochmal nach. Denn wenn den ganzen Parteien und Interessenverbänden nichts einfällt, dann zahlt er bald vielleicht mehr für seine Produkte. Oder höhere Müllgebühren. Wir würden es ihnen gönnen.

Welche Alternativen haben wir jetzt noch?

Jetzt könnten die Recycling-Unternehmen ihre Verfahren verbessern. Dann könnte noch mehr WIRKLICH recycelt werden. Die Hersteller könnten auch neue kompostierbare, organische Verpackungen herstellen. Die Politik könnte reagieren und das Problem zumindest mal anerkennen und Schritte einleiten. Das ist alles richtig und wichtig und wäre schön. Noch besser wäre es allerdings, wenn wir einfach nicht mehr so viel Plastikmüll produzieren würden. Andere Länder in Europa schaffen das doch auch. Also quasi ALLE sind da besser als wir.

Aber: wir von Ozeankind® sprechen uns ja immer wieder klar gegen diese Zero-Plastik-Modebewegung aus.
Das mag in einer deutschen Großstadt oder auf dem Bauernhof gehen. Aber auch nur wenn man denn so leben möchte. Und wir haben Respekt vor jedem, der das schafft. Das ist aber nicht für jeden zeitgemäß und nicht jeder möchte auf so vieles verzichten. Und auch nicht jeder hat die Zeit dafür, sich Zahnpasta und Shampoo selbst zu mischen. Dabei ist es doch ganz einfach:

Einfach mal weniger Plastikmüll produzieren. So schwer ist es wirklich nicht. Vielleicht einfach mal öfter nachdenken. Und natürlich regelmäßig beim #plastikrebell CleanUp mitmachen. Fertig.

Hier gehts nochmal zur Veranstaltung.

Und wer nicht an sich denken will, der denkt vielleicht an seine Kinder. Oder an seine Enkel. Oder an die kleine Cousine. Denn die sind es, die eines Tages aufgrund unserer Ignoranz anm Plastikmüll ersticken werden. Bleibt nur zu hoffen, dass wir uns bis dahin besinnen können und aus dem Koma erwachen.

Die Entscheidung von China ist ein positives Signal. Ob es auch an den richtigen Stellen ankommt, bleibt abzuwarten.

26. Dezember 2017
Ozeankind im Radiointerview von ISW
18. Januar 2018
Plastikmüll: Folgen für unsere Tierwelt

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