Bioplastik

Bioplastik ist keine Alternative

Lass Dich nicht täuschen – Bioplastik ist nicht besser

Immer mehr Hersteller entwicklen Produkte aus Biokunststoff, auch bekannt als Bioplastik. Vor allem Mülltüten werden schon seit einigen Jahren teilweise aus Maisstärke und nachhaltigen Rohstoffen hergestellt. Durch die aktuell, vermehrte mediale Präsenz der globalen Plastikverschmutzung, ist der Konsument eher darauf bedacht auf Alternativen auszuweichen. Doch ist das tatsächlich eine Alternative? Oder verschafft es uns, den Konsumenten nur ein gutes Gewissen?

Was ist Bioplastik?

Der Begriff Bioplastik ist übrigens gesetzlich nicht geschützt. Solange die Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Mais oder Kartoffelstärke bestehen oder eben biologisch abbaubar sind dürfen sie den Namen Bioplastik tragen. Es gibt vor allem zwei Arten, biobasiert und biologisch abbaubar. Plastiktüten auf denen biobasiert steht, sind nicht biologisch abbaubar, sondern eben nur aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Ein Beispiel ist die Plantbottle vom Konzern Coca-Cola. Die PET Faschen bestehen 30% aus Pflanzenmaterial.

Dieses biobasierte Plastik bleibt jedoch auch ewig in der Natur, es zersetzt sich nicht besser oder schneller als normales Plastik. Der Weg weg von erdölbasierten Plastik hin zu Bioplastik ist generell gut. Dennoch ist es so, dass sich der Anbau der „Plastikrohstoffe“ negativ auf unsere Umwelt auswirkt. Der Boden wird oft überdüngt, die Nährstoffe und Pestizide gelangen in Flüsse und Seen. Dort kommt es wieder rum zu einem erhöhten Wachstum von Algen. Fische sterben. Man kann also zusammenfassen: Bioplastik ist nicht umweltfreundlicher als normales Plastik.

Biologisch abbaubare Produkte müssen nach EU DIN Norm erst nach 12 Wochen (!) durch den Einfluss von Hitze, Sauerstoff, Feuchtigkeit und Bakterien oder Pilzen zu 90 Prozent zerfallen: und zwar in Wasser, Kohlendioxid und Biomasse.

Bioplastik Kompost

Quelle: Deutsche Umwelthilfe (gilt auch für das Titelbild)

Kann ich die Biotüte in die Biotonne oder gar auf meinem Kompost entsorgen?

Nein. Leider nicht. Das ist ja genau das Märchen, was uns die Hersteller nun erzählen möchten. Vor allem seit der Einführung der Biotonne, witterten die Hersteller das fette Geld. Nun kommt die Biomülltüte daher. Meist ist das Produkt auch noch teurer als die herkömmlichen Mülltüten. In die Biotonne darf es dennoch nicht. Das Material zersetzt sich selbst in den professionellen Biomüll-Sammelstellen nicht schnell genug. Übrig bleiben kleine Plastikfetzen, die den jetzt entstandenen Dünger beeinträchtigen. Also ist der heimische Komposthaufen auch keine Lösung. Und kein Landwirt möchte Plastikfetzen auf seinem Acker haben.

Doch wohin damit? Gelbe Tonne? Nein. Leider auch nicht. Viele Recyclingunternehmen sortieren einen großen Teil des Kunststoffs aus und es gelangt mit anderen Mischkunststoffen in der thermischen Verwertung. Heißt, es wird verbrannt. Super oder? Dafür gibt man am Ende mehr Geld aus, um der Umwelt einen Gefallen zu tun und am Ende wird es dann auch verbrannt.

Vor einigen Jahren hatte Danone sogar eine Klage am Hals wegen irreführender Werbung.  Der Konzern hat seinen Joghurt Becher als umweltfreundlicher vermarktet. Wie Du siehst wird mit Bioplastik ordentlich die Marketing betrieben und die Taschen voll gemach.

Was passiert mit Bioplastik im Meer?

Du kannst es Dir sicherlich denken. Es passiert nix. Zumindest nichts Besseres im Vergleich zu den herkömmlichen Tüten aus Plastik. Denn im Meer herrschen andere Bedingungen als an Land. Sie zersetzt sich genauso langsam wie die herkömmlichen Tüten.

In einer Studie des GEOMAR wurde festgestellt, dass sich Bakterien viel lieber auf den biologischen Tüten ansiedeln, als an anderen Plastiktüten. Ob das jetzt ein Vorteil darstellt?! Ich denke nicht, denn dadurch wird das Plastik auch in Mikroplastik verwandelt.

Was für Alternativen gibt es?

Für den Biomüll gibt es Papiertüten, entweder bastelst du dir aus Zeitungspapier selbst Mülltüten: Jetzt ausprobieren. Oder du kaufst dir Papiermülltüten* online oder in Deinem Laden des Vertrauens.

Die Bioplastik-Tüten, die es in Supermärkten oder Discountern gibt, lässt du am besten liegen. Nimm einen Jutebeutel, Rucksack oder Korb mit zum Einkaufen.

Folien, Einweg-Geschirr oder Kaffeekapseln aus Bioplastik besser auch sehr kritisch betrachten. Eine gelungene Alternative für den Kaffekapsel-Kaffee ist eine wiederbefüllbare Kapsel*, die Du mit Kaffeepulver selbst befüllst.

Unsere „Standard“ Meinung: Vermeide Plastikprodukte so oft es geht. 🙂

Wenn Du noch weitere Informationen zu dem Thema lesen möchtest, empfehlen wir folgende Artikel:

21. Januar 2018
EU-Strategie für weniger Plastikmüll – viel Lärm um nichts
5. Februar 2018
Unsere 7 Tipps – unterwegs Plastik vermeiden

Kommentare

  • Gabi Rauch
    ANTWORTEN

    Ihr habt ja soooo recht!! Auch ich versuche sehr oft die Menschen um mich, davon zu überzeugen, dass nicht alles BIO ist, wo BIO steht und man genau hinschauen bzw sich erst mal informieren sollte!! Gerade das was ihr schreibt mit diesen ‚Pseudo-Bioplastik-Sachen‘ sind nur Augenwischerei!! Es gibt ja schon sehr vieles was Bioplastik angeht und was sich wirklich in relativ kurzer Zeit zersetzt, doch für viele ist das zu teuer oder zu umständlich diese Produkte zu erwerben!! Was mich auch oft erschreckt ist, wie Leute von sich selbst überzeugt sind, das sie nachhaltig sind, Bioprodukte kaufen und und, aber leider , bei genauem Hinterfragen, einfach nur die falschen Produkte kaufen oder in ihrem eigenen Haushalt nicht wirklich was tun !! Und genau da, im eigenen Haushalt kann man schon einiges tun…………
    Es ist so, wie ihr schreibt und das versuche ich auch den Menschen rüberzubringen, man muss nicht sein Leben komplett umstellen, aber mal einfach mit kleinen Dingen anfangen, die dann ganz schnell auch zu Gewohnheit werden!! Wie z.B. mal für die Wäsche solche Netze kaufen, damit der Mikroplastik aufgefangen wird……..
    Nun ist es gut, es gebe noch viel mehr zu schreiben………..ich finde einfach, die Menschen müssten/sollten sich einfach mal etwas mehr Zeit nehmen um besser informiert zu sein und nicht einfach ‚BIO‘ kaufen!!

    Weiter so ihr Beiden!! Lg Gabi

    4. Februar 2018

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