Arten von Mikroplastik

Welche Arten von Mikroplastik gibt es?

Verschiedene Arten von Mikroplastik

Es gibt grundlegend zwei Arten von Mikroplastik – primäres Mikroplastik und sekundäres Mikroplastik. Und es gibt Makroplastik, das ebenfalls aus Mikroplastik entstehen kann. Hört sich kompliziert an – ist es aber nicht. Denn Du hast ja uns die uns hier ein paar Dinge durchgelesen haben. Die genauen Unterschiede und was Du tun kannst, um möglichst viel davon zu vermeiden, kannst Du nun in diesem Artikel lesen. Ganz allgemein unterscheidet man drei Übeltäter …

  • Primäres Mikroplastik. Dieses wird bereits in seiner endgültigen Form produziert und man findet es vor allem in Kleidung oder Kosmetik- und Pflegeprodukten (Peeling, Shampoo, Duschgel, Seife, …).
  • Sekundäres Mikroplastik. Entsteht durch den Zerfall von Makroplastik in immer kleiner werdende Teile. Zum Beispiel durch Witterungseinflüsse, durch Felsen, durch Salzwasser oder durch das Sonnenlicht.
  • Makroplastik sind ganz grob gesagt alle anderen Plastikprodukte. Also beispielsweise die PET-Flasche, die Plastiktüte, die Chips-Verpackung, den Strohhalm oder das Plastikgeschirr.

Plastikteilchen im Ozean, im Fluss oder im See – was macht sie so gefährlich?

Teilchen von primären und sekundärem Mikroplastik finden sich überall. Sowohl Tiere als auch wir Menschen nehmen Plastik über die Nahrung auf. Man hat teilweise sehr große Anteile von Plastik gefunden – in den Körpern/Mägen von

Haien, Delfinen, Schildkröten, Walen (kennt Ihr die Videos dazu bei YouTube?), Fischen, Seevögeln und … MENSCHEN!

Stop, aber Haie oder Vögel fressen doch kein Plastik?
Nein, das tun sie normalerweise nicht (außer vielleicht Tigerhaie, die fressen fast alles). Vielmehr nehmen sie das Plastik zusammen mit ihrer Nahrung auf, ob sie wollen oder nicht. Der Walhai filtert das Wasser nach Plankton, die Vögel oder die Schildkröten (Plastik sieht zum Beispiel im Wasser oft aus wie eine Qualle – leider …) verwechseln ihre Nahrung mit Plastik, der weiße Hai frisst eine Robbe, die vorher einen großen Fisch gefressen hat – die gesamte Nahrungskette, immer wieder rauf und runter.

Mikroplastik ist meist so klein, dass man es oft mit blossem Auge entweder kaum, gar nicht oder nur unter dem Mikroskop erkennen kann. Und es kommt dazu auch noch in den verschiedensten Formen vor. In partikulärer Form (Teilchenform), in flüssiger Form, in Pasten- oder Pulverform. Daher kommt leider auch der weit verbreitete Irrglaube, dass

Primäres Mikroplastik

Was ist der Unterschied zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik und Makroplastik? Und woher kommt es?

Wie eben schon beschrieben wird primäres Mikroplastik bereits in seiner endgültigen Form produziert und beispielsweise Pflegeprodukten hinzugegeben. Man findet es in Peelings, in vielen Shampoos, Duschgels oder in Waschmittel. Aber auch die kleine Plastikkügelchen, die man in diesen kleinen Säckchen findet um Feuchtigkeit aufzunehmen (Silica) oder die Kügelchen, die als Rohstoff zur Weiterverarbeitung dienen, sind primäres Mikroplastik.

Auf diesem Bild, entstanden während eines unserer Beach Clean-Ups in Südafrika, kann man neben ein paar sekundären Plastikteilchen die kleinen farblosen bis gelblichen kleinen Kügelchen ganz gut erkennen. Man stelle sich vor, ein Containerschiff verliert einen Container mit Millionen dieser Kügelchen …

Primäres Mikroplastik

Auch in unser Kleidung findet sich Mikroplastik – in Form von kleinen Fasern. Und alle Kleidungsstücke, die einen Lycra, Polyester- oder Polyacrylanteil haben, verlieren bei jedem Waschgang tausende Mikroplastik-Fasern. Diese fließen ungehindert und ungefiltert in den Abfluss. Denn bisher kann unseres Wissens kein Klärwerk der Welt diesen Kram herausfiltern. Zuletzt haben wir sogar gehört, dass manchen Klärwerke bereits Taucher einsetzen müssen, um Mikroplastik aus den Abflüssen zu holen (dazu haben wir jedoch keine Quelle). Was wir haben ist diese kurze und erschreckende Info (mit Video) aus dem Stern (Quelle). Insbesondere Fleece-Kleidung enthält leider besonders viele Plastikfasern bzw. gibt diese beim Waschen ab.

Primäres Mikroplastik in Kosmetik

Hier kommt es in vier verschiedenen Formen vor – in partikulärer Form (Teilchenform), in flüssiger Form, in Pasten- oder Pulverform. Solche Partikel finden sich beispielsweise in vielen handelsüblichen Peelings. Egal ob von Nivea, Balea, Neutrogena oder Isana. Eigentlich hat jede handelsübliche Marke mindestens ein Peeling o.ä. im Programm, welches Mikroplastik enthält.

Wir haben vor einiger Zeit einen Versuch dazu gemacht und diesen auch in einem Video festgehalten. Ihr findet das Video auf unserem YouTube-Kanal. Bei der Gelegenheit – hast Du schon unseren YouTube-Kanal abonniert? Wenn nicht, dann könntest Du das vielleicht kurz nachholen.

Mikroplastik in Kosmetik

Auch Kosmetikhersteller verwenden Mikroplastik – und behaupten das Gegenteil

Bei Kosmetik- und Pflegeartikeln kommt erschwerend hinzu, dass viele der Mikroplastik-Arten auch in synthetischer Form verwendet werden, zum Teil sogar wasserlöslich. Die Kosmetikartikel-Hersteller behaupten dann häufig, sie würden gar kein Plastik in ihren Produkten benutzen. Warum? Weil sie bspw. die synthetischen Kunststoffe nicht als Mikroplastik bezeichnen möchten. Sie berufen sich dann immer wieder darauf, dass ja nicht abschließend geklärt sei wie sich diese Kunststoffe auf unsere Umwelt und auf den menschlichen Körper auswirken. Und dass Mikroplastik nur dann wirklich Mikroplastik wäre, wenn es in Teilchenform verwendet wird. Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Fest steht: jedesmal, wenn Du Dich wäscht, wenn Du duscht oder badest und wenn Du dann kein mikroplastikfreies Pflegeprodukt nutzt, fliesst Plastik in den Abfluss – in welcher Form auch immer.

Hier kannst Du Dir dazu die Ozeankind-Liste mit den ganzen Bezeichnungen von Mikroplastik in Kosmetik herunterladen – damit kannst Du ganz leicht prüfen, ob Dein gewohntes Shampoo, Peeling oder Duschgel Mikroplastik enthält – einfach mit den Inhaltsstoffen auf der Produktverpackung vergleichen

Und hier kommst Du zur Liste des BUND, in der Du einen Großteil der in Deutschland erhältlichen Kosmetikprodukte findest, namentlich aufgelistet. Mit Info ob Mikroplastik drin ist oder nicht. Die gute Nachricht ist – es gibt Alternativen, die nicht zwingend teurer sind. Hier unsere Empfehlungen – einmal für Männer und einmal für Frauen. Es gibt aber natürlich auch viele andere gute Produkte!

Eine coole Sache ist hier eine App namens Codecheck. Die findest Du sowohl im AppStore als auch im PlayStore. Kostenlos. Einfach den Barcode Deiner Produkte scannen und sofort wissen, was drin ist. Plastik ist zudem leider nicht der einzige schädliche Inhaltsstoff.

Sekundäres Mikroplastik

Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Plastikteile (also Makroplastik, zum Beispiel eine PET-Wasserflasche oder ein Plastikstrohhalm) im Laufe der Zeit in immer kleiner werdende Plastikteile zerfallen. Verursacht durch verschiedene Witterungseinflüsse wie Sonne, Steinen, Felsen oder auch durch Wellen.

Genauso wie primäres Mikroplastik findet sich auch sekundäres Mikroplastik fast überall wieder. In unseren Ozeanen, in Flüssen oder Seen, in vielen Fischen, Vögeln und im Körper vieler anderer Säugetiere (zum Beispiel in Walen) und auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Zu letzterem gab es in der Neuen Osnabrücker Zeitung einen interessanten Artikel – demnach befindet sich das Mikroplastik teilweise in Form von kleinen bunten Plastikpartikeln mittlerweile sogar im Klärschlamm. Klärschlamm wird übrigens in Form von Dünger auf unsere landwirtschaftlichen Äcker getragen … und somit endet es auch ohne, dass wir Meerestiere essen, in unserer Nahrung.

Was dieses Plastik im Menschen verursacht, ist zwar wohl noch nicht abschließend erforscht oder bewiesen – gut kann es aber ganz sicher nicht sein. Bei Tieren beeinflusst es beispielsweise den Hormonhaushalt …

Mikroplastik im Sand

Aus Makroplastik wird sekundäres Mikroplastik

Plastik verrottet nicht. Es wird zwar mit der Zeit immer kleiner, kann aber nicht oder erst nach mehreren Jahrhunderten vollständig abgebaut werden. Das Plastik wird zersetzt und zerfällt dabei in immer kleinere Teilchen. Hier sind ein paar Beispiele, sinngemäß entnommen aus einem Artikel der ZEIT: „… eine Einkaufstüte schwimmt 10 bis 20 Jahre lang im Meer, bis sie vollständig zerrieben ist, ein Styroporbecher braucht 50 Jahre, um zu zerbröseln, eine PET-Flasche zerfällt erst innerhalb von 450 Jahren. Nur WEG IST DAS ZEUG NIE. Und je kleiner desto schwieriger, das Zeug wieder aus dem Meer zu bekommen.

Zerrieben, zerbröselt, zerfallen – das alles geschieht z.B. durch Felsen, durch die Sonne oder durch das Salzwasser. Aber nochmal, und das ist der springende Punkt: ES IST NIE WEG! Nur weil ein Styroporbecher nach vielen Jahrzehnten zerbröselt ist, bedeutet das keinesfalls, dass dieser WEG ist – er ist dann lediglich in mikroskopisch kleine Partikel zerfallen.

Unsichtbares Mikroplastik ist in den Augen vieler Menschen nicht existent

Ein riesiges Problem, vor allem in Bezug auf das fehlende Bewusstsein vieler Menschen wenn es um Mikroplastik geht, ist dass man es mit dem blossen Auge oftmals nicht sieht. Das bedeutet die Ozeane, Seen oder Flüsse sehen sauber aus, sind es aber nicht!

Schau Dir mal die beiden Bilder an – sieht sauber aus, ist es aber nicht. Wir haben drei Stunden gebraucht um mit 6 Leuten einen Strandabschnitt von 200m Länge zu säubern. Das Ergebnis siehst Du auf dem dritten Bild. Und auf dem Rückweg ist uns aufgefallen, dass wir noch unfassbar viel übersehen haben. Das da auf dem unteren Bild hatte ein Gewicht von etwa 1 Kilo und bestand zum allergrößten Teil aus sekundärem Mikroplastik! Alles schön in Linien angespült …

Mikroplastik am StrandAngespültes MikroplastikMikroplastik Pearly Beach

Vielleicht hast Du ja auch schonmal was vom GREAT PACIFIC GARBAGE PATCH gehört? Dieser gigantische Wirbel befindet sich im Gebiet des Nordpazifikwirbels zwischen Nordamerika und Asien. Die Schätzungen zur Größe dieses Strudels schwanken zwischen der Größe von Texas und der Größe von Mitteleuropa, teilweise ist sogar von einem Gebiet doppelt so groß wie die USA die Rede (Quelle). Wie auch immer – riesig ist es allemal. Es ist jedoch wohl nicht so als würde da nun eine Plastikflasche neben der anderen schwimmen, vielmehr besteht dieser gigantische Müllteppich in erster Linie aus Mikroplastik. Man schätzt, dass es hier pro km² eine Mio. Kunststoffteilchen im Ozean schwimmen, das wäre ein Teil pro Quadratmeter (Quelle). Und das Oberflächenwasser enthält sechsmal mehr Plastikteile als Plankton (Quelle).

Egal welche Art von Mikroplastik – einmal im Meer, immer im Meer

Nur weil uns vorgegaukelt wird, das man alles Plastik ja recyceln kann, bedeutet das nicht unbedingt dass das auch der Wahrheit entspricht! Zu den verschiedenen Plastikmaterialien und deren nicht vorhandener Recyclingfähigkeit empfehlen wir Dir dringend unseren Artikel Kunststoffe.

Es lässt sich nach aktuellen Stand der Technik (abgesehen von ein paar vielversprechenden Projekten und Ideen, beispielsweise das Projekt Ocean Cleanup nie wieder aus dem Meer entfernen, egal in welcher Form. Und selbst wenn wir das Oberflächenwasser irgendwann von Plastik befreien können. Wir müssen dann auch künftig dahin kommen, es gar nicht erst entstehen zu lassen! Und deshalb ist es völlig egal, ob die Hersteller einen Stoff als Mikroplastik bezeichnen wollen oder nicht oder ob man uns erzählt, das Plastikprodukte ja generell recycelt werden könnten – denn in den meisten Fällen stimmt das einfach so nicht.

Was kannst Du tun, um möglichst viel Mikroplastik zu vermeiden?

Es ist ganz einfach, schau doch bitte mal kurz in Deinem Badezimmer nach. Dreh alle Verpackungen um und checke anhand des Ozeankind-Mikroplastik-Guide und der Inhaltsangabe der Herstellers, ob Deine Kosmetik Mikroplastik enthält. Oder nutze die Codecheck-App. Wenn ja, wäre es cool wenn Du diesen Artikel entweder im Hausmüll entleerst und die Verpackung im Plastikmüll entsorgst. Und beim nächsten Drogerie-Besuch einfach ein anderes Produkt kaufen, das kein Mikroplastik enthält. Lass Dich auch auch nicht täuschen von Begriffen wie „vegan“ oder „bio“ – das schreiben die Hersteller gerne drauf um uns vorzugaukeln, dass ein Produkt gut ist. Plastik enthält es oft trotzdem!

Kaufe Kleidung wenn irgend möglich aus Naturfasern wie zum Beispiel aus Baumwolle. Wenn Du aus irgendwelchen Gründen Kleidung aus Kunstfasern nutzen möchtest oder musst und diese dann wäscht, besorge Dir zumindest einen Guppyfriend-Beutel. Das ist ein Waschsack, der das Mikroplastik aus Kleidung auffängt damit Du ihn danach im Plastikmüll entsorgen kannst. Dieser ist zwar auch aus Plastik und wir sind uns selbst noch nicht sicher ob wir das Ding wirklich empfehlen sollen, aber besser als gar nichts ist es ganz bestimmt. Unser Guppyfriend ist nach einmaligem Gebrauch kaputt gegangen.

Da aus Makroplastik Mikroplastik entsteht, nutze so wenig Plastikprodukte wie nur irgend möglich! Dazu findest Du ja eine ganze Menge Infos hier auf dem Blog, bei Facebook, Instagram …

Und besonders wenn Du am Meer oder in der Nähe des Meeres bist, please leave nothing but footprints!

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